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Würdiger Abschied von Manfred von Richthofen

Große Anteilnahme in der Gedächtnis-Kirche durch Sport und Politik

Eine stattliche Trauergemeinde nahm am 16. Mai in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche am Breitscheidplatz Abschied von einem Mann, der nicht nur den Berliner, sondern den ganzen deutschen Sport der Nachkriegszeit auf unnachahmliche Weise geprägt und bestimmt hat. Manfred Freiherr von Richthofen, der noch am 9. Februar aufgeräumt und in guter Stimmung seinen 80. Geburtstag im Sternberg-Theater am Potsdamer Platz gefeiert hatte, verstarb nur knapp drei Monate später, am 1. Mai, in einem Berliner Krankenhaus.

Eine große Anzahl von Beileidskundgebungen hat es für einen streitbaren Geist des Sports und überzeugten Berliners gegeben, unter anderem in schriftlicher Form durch den Bundespräsidenten Joachim Gauck und die Bundeskanzlerin Angela Merkel, persönlich durch die Anwesenheit des Bundesministers des Innern Thomas de Maizière, der wie viele Freunde, Bekannte und ehemalige Weggefährten von Richthofens am Dank- und Trauergottesdienst teilnahmen und so dem Neffen des berühmten „Roten Fliegerbarons“ aus dem Ersten Weltkrieg die letzte Ehre erwiesen.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, DOSB-Generaldirektor Michael Vesper, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und seine Vorgänger Walter Momper und Eberhard Diepgen waren ebenso gekommen wie Berlins Innensenator Frank Henkel, die Bundestagsabgeordneten Frank Steffel, Renate Künast und Özcan Mutlu, die beiden Olympiasieger Robert Bartko, Radsport und jetzt LSB-Vize für den Leistungssport, und Robert Harting, der Diskuswerfer.

Sie alle erinnerten sich in den Minuten der Stille daran, was Manfred von Richthofen für den Sport im Allgemeinen und die Vereine im Besonderen getan hat, die er so gern als ein „unverzichtbares Netz von Sozialstationen für die Gesellschaft“ bezeichnete. Mit seiner Weitsicht und klaren Überzeugung war er stets ein Mahner, aber auch einer, der dem Fortschritt die Wege ebnete, wie etwa bei der Fusion von DSB und NOK zum jetzigen DOSB oder die Schaffung der Nationalen Anti-Doping-Agentur. Seine größten Verdienste hatte er aber unzweifelhaft bei der Zusammenführung des Sports aus Ost und West nach der Wende.

Dass einen Tag nach der Trauerfeier das Pokalfinale zwischen Bayern München und Borussia Dortmund im Olympiastadion stattfand, ist nicht zuletzt von Richthofen zu danken. Er wetterte nämlich 1988 mit aller Schärfe gegen den Deutschen Fußball-Bund, weil dieser Berlin außen vor ließ, um den Zuschlag für die Europameisterschaften zu erhalten. Quasi als Entschädigung dafür wurde Berlin mit dem Cup-Endspiel bedacht. Was dem Gentleman des Sports allerdings bis zu seinem Tod versagt blieb und immer sein Herzenswunsch gewesen war, Olympische Spiele in seine Heimstadt zu holen.

Klaus Wowereit würdigte das große Engagement eines Bürgers der Stadt, der von 1994 bis 2006 Präsident des Deutschen Sportbundes und zuvor von 1985 bis 2000 auch des Berliner Landessportbundes gewesen war und für entscheidende Impulse und Weichenstellungen gesorgt hat. „Für uns ist es unfassbar, dass der Nestor des deutschen Sports nicht mehr an unserer Seite ist. Er hat den Sport als Markenzeichen seiner Heimatstadt mit großer Noblesse und Klugheit vertreten, besonders nach dem Fall der Mauer.“

(Trauerrede Klaus Wowereit)

Alfons Hörmann, der jetzige DOSB-Chef, der noch wenige Wochen vor dem Tod von Richthofens ein, wie er betonte, sehr informatives, aufschlussreiches und innerlich bewegendes Gespräch in Berlin mit von Richthofen geführt hatte, erkannte nicht nur die großartige Leistung seines Vor-Vorgängers an, sondern lobte auch seine Entschlossenheit bei der Herstellung der Einheit des deutschen Sports.

(Trauerrede Alfons Hörmann)

Auch LSB-Präsident Klaus Böger schätzte die besonderen Verdienste von Richthofens und sagte: „Er war eine außerordentliche Persönlichkeit, die andere mitreißen, motivieren und überzeigen konnte. Im besten Sinn des Wortes war er ein Patriot, ein Ideengeber für den Sport.“  Die Leistungszentren, die Anstellung von Landestrainern, der Olympiastützpunkt in Hohenschönhausen und der Erhalt der Eliteschulen des Sports, entkernt von allen ehemaligen politischen Ideologien, sind sein Werk gewesen. (Trauerrede Klaus Böger)

Den Dank- und Trauergottesdienst hielt Steffen Reiche, einst Mitbegründer der SPD in der DDR, danach lange Jahre Bildungs- und Wissenschaftsminister in Brandenburg und jetzt Pfarrer im Ortsteil Nikolassee. Er charakterisierte den Verstorbenen  als einen Menschen mit viel Herzenswärme, der den Sport zu seinem Lebensinhalt gemacht hatte, der überparteilich handelte, aber immer Partei für den Sport und die Vereine ergriff.

(Dank- und Traueransprache für Manfred Freiherr von Richthofen Pfarrer Steffen Reiche)

Im Anschluss an die würdige, mit Gesang, Orgelmusik und Gebeten untermalte Feier wurde Manfred von Richthofen, die starke Stimme des Berliner Sports, die jetzt für immer verstummt ist, im engsten Familien- und Freundeskreis auf dem Waldfriedhof Dahlem beigesetzt.

 

Text: Wille
Foto: Engler

Agenda der Trauerfeier

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