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Kann Berlin auch Olympia?

Dialogreihe brachte interessante Hinweise

Tief im Bauch des Berliner Olympiastadions, in der nach dem amerikanischen Leichtathleten  Jesse Owens benannten Lounge, wurde im Rahmen der Berliner Sportgespräche heiß um und über ein neues Olympia in Berlin geredet, gestritten, gekämpft – und hier und da auch gezweifelt. Geradezu eine Steilvorlage zu dem gut besuchten Forum der Dialogreihe „Olympia“ kam wenige Stunden zuvor aus Frankfurt/Main, denn just an diesen Dienstagnachmittag hatte das DOSB-Präsidium den beiden an den Sommerspielen 2024 oder auch 2028 interessierten Städten Berlin und Hamburg einen mit 13 Fragen versehenen Katalog zugeschickt, der bis Ende August beantwortet werden soll. Sinn und Zweck sei es, die Rahmenbedingungen auszuloten, ob sich eine Bewerbung auf internationale Ebene lohne.

Warum will Ihre Stadt die Olympischen Spiele und Paralympischen Spiele ausrichten? Wie sollen die Bürger/innen in Ihrer Stadt und ganz Deutschland davon profitieren?  So lautete der erste und wichtigste Satz in dem Schreiben. Was für den LSB-Präsidenten Klaus Böger bei seiner Begrüßungsrede der Zuhörer, darunter 25 Jungen und Mädchen der 11. und 12. Klasse der Poelchau-Eliteschule des Sports, die in einem Jahr in den Olympiapark umzieht, gleich Anlass bot, einige Grundsätzlichkeiten zu diesem Thema sagen. „Erfolg oder Misserfolg hängt in erster Linie von einer breiten Zustimmung der Bevölkerung ab, was ja gerade jüngst die Wahl um das Tempelhofer Feld schmerzlich zeigte. Neben der Politik muss es uns gelingen, die Gesellschaft zu überzeugen, sonst wird das nichts.“

Im Anschluss daran versuchten der Sportökonom und Mainzer Universitäts-Professor Holger Preuß, der mehrfache Deutsche Meister im Gewichtheben Rene Hoch aus Berlin, Proprojekt-Geschäftsführer Stefan Klos, der bei der (gescheiterten) Bewerbung der Olympischen Spiele 2012 und München 2018 mitwirkte, sowie Inka Müller-Schmäh von der Vereinigung Sponsoring-Anbieter so manch Erhellendes zu dem vorgesehenen Diskussions-Abend „Bidding for Olympics – Herausforderungen & Chancen“ beizusteuern. Wobei sich alle darüber einig waren, dass trotz aller Unkenrufe und Negativ-Schlagzeilen die Strahlkraft der Spiele ungebrochen sei und die Marke Olympia nach wie vor bei vielen Faszination und Begeisterung hervorrufe. Allerdings gehe es vor allem um Nachhaltigkeit und Akzeptanz. Ein gutes Beispiel lieferte dafür zuletzt London.

Holger Preuß nannte folgende Faktoren, die jeder Olympiakandidat ins Kalkül ziehen muss, abgesehen von den rund 50 Millionen Euro für eine Bewerbung. Da sind einmal die Kosten für die Organisation der Spiele, die allerdings vom IOC und den Sponsoren getragen werden, dann für die 30 bis 35 Wettkampf- beziehungswqeise Trainingsstätten, wovon Berlin durchaus schon einiges vorzuweisen hätte, schließlich um die Infrastruktur, angefangen vom Flughafen, den verkehrstechnischen Anbindungen, dem Olympischen Dorf, einem Medienzentrum bis hin zu den entsprechenden Unterbringungsmöglichkeiten, wobei die Rede von 42 000 Zimmern ist. Und nicht zuletzt schlägt auch noch das Sicherheitsproblem finanziell zu Buche.

„Wie groß ist der Mut Berlins, das alles zu stemmen“, fragte Dr. Volker Hassemer, Vorsitzender der Stiftung „Zukunft Berlin“ und einer der Initiatoren der Berliner Sportgespräche in die Runde, um selbst die Antwort zu geben: „Wir brauchen eine Idee, ein Konzept, ein Produkt, dem alle zustimmen können.“ Alle klatschten – nur eine nicht, Dr. Gabriele Hiller (Die Linke). Sie wies unter anderem auf den großen Schuldenberg und die ungelösten Probleme der Stadt hin. Der Konter ließ nicht lange auf sich warten. Klos erwiderte kurz und trocken, dass Olympia vieles auch zum Guten verändern könne. Und Rene Hoch meinte, dass die Spiele in Berlin nicht nur bei jedem einzelnen Sportler, sondern bei der ganzen Bevölkerung eine Begeisterungswelle erzeugen würden. Der beste Beweis dafür ist die Fan-Meile bei der Fußball-WM gewesen – und so wird es wahrscheinlich demnächst auch wieder sein.

Dass vieles für Berlin spricht, darüber waren sich die meisten einig. Aber es wurden auch Bedenken vorgetragen. Diese müssen ernst genommen werden, geben sie doch die Stimmung bei einem Teil der Bevölkerung wieder. Hieran wird zu arbeiten sein.

Die vollstandige Aufzeichnung der Veranstaltung in der LSB-Mediathek

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