Startseite / Aktuelles / News / Integration nur mit, nicht gegen den Sport

Integration nur mit, nicht gegen den Sport

Über 150 Vereins- und Verbandsvertreter bei der Informations- und Diskussionsveranstaltung des LSB zum Thema „Sport und Flüchtlinge" im Haus des Sports

„Bei uns sind drei Hallen beschlagnahmt, betroffen sind vor allem Kinder, Jugendliche und Erwachsene“, berichtete der Vorsitzende des Köpenicker SV Ajax. Ähnlich sieht es in vielen anderen Vereinen aus. Das wurde bei einer Informations- und Diskussionsveranstaltung des LSB am 21. Dezember im Haus des Sports deutlich, an der über 150 Vereins- und Verbandsvertreter teilnahmen. „Unsere Halle in der Klützer Straße wurde schon im Januar ohne Vorankündigung beschlagnahmt“, sagte die Leiterin der Judo-Abteilung der SSG Humboldt aus Hohenschönhausen. „60 Kinder standen von heute auf morgen auf der Straße. Kinder wurden aus dem Verein abgemeldet, Beiträge storniert, wir haben in diesem Jahr 40 Prozent unserer Mitglieder verloren.“ Auch der Sporttreff Karower Dachse aus Pankow hat in den letzten Wochen über 200 Mitglieder verloren, weil die von dem Verein genutzte Halle innerhalb weniger Stunden als Flüchtlingsunterkunft zweckentfremdet wurde. Der Vorsitzende des SV Pfeffersport erläuterte die Auswirkungen der Hallen-Situation auf seinen Verein in Zahlen: 34 Prozent bzw. 1400 der Gesamtmitglieder sind von den Folgen der beschlagnahmten Hallen betroffen. Mitgliederaustritte und fehlende Beitrage, Mietkosten für Alternativstandorte und Koordinationskosten führten in dem zurückliegenden halben Jahr für den Verein zu einem wirtschaftlichen Gesamtschaden von fast 50.000 Euro. Betroffen sind in dem Verein auch viele Inklusions- und Behindertensportangebote, zum Beispiel für 90 Rollstuhlfahrer und -fahrerinnen. Der Geschäftsführer von Pro Sport Berlin 24 berichtete, dass der Trainingsbetrieb von 300 Vereinsmitgliedern betroffen ist, die Hälfte davon sind Kinder und Jugendliche. In der Sporthalle Prinzregentenstraße konnten Sportgeräte wegen der kurzfristigen Beschlagnahme nicht rechtzeitig abgeholt werden, deshalb musste für rund 1000 Euro kurzfristig Ersatz beschafft werden. 150 Mitglieder haben schon die Vereinsmitgliedschaft gekündigt. Weitere haben diesen Schritt in Aussicht gestellt, wenn sich die Situation nicht ändert. Das führt zu einem Verlust von Beitragseinnahmen in Höhe von durchschnittlich 15 Euro pro Mitglied im Monat.

Anja Schillhaneck, Vizepräsidentin des Abgeordnetenhauses und sportpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, lud Vereins- und Verbandsvertreter zu eine der nächsten Sitzungen des Sportausschusses ein: „Die Abgeordneten sollen erfahren, was wirklich in den Vereinen passiert, wenn die Hallen beschlagnahmt werden.“

Nach einer dreistündigen zum Teil emotional aber überwiegend sachlich geführten Diskussion zog LSB-Präsident Klaus Böger eine Zwischenbilanz der Diskussion, die an diesem Abend, so waren sich alle Beteiligten einig, nicht beendet ist, sondern gemeinsam fortgesetzt wird: „Sporthallen als Notunterkünfte - das darf nur eine Zwischenlösung sein. Der Senat muss nachdrücklich und konsequent Alternativstandorte prüfen und einen Solidarfonds einrichten, um Vereine zu unterstützen, die in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind. Es darf nicht das Netzwerk zerstört werden, das die Vereine für die Integration in der Stadt über viele Jahre aufgebaut haben."

Sehen Sie hier den Bericht über die Veranstaltung in der rbb-Abendschau am 21. 12. 2015

Sehen Sie hier den Bericht über die Veranstaltung in rbb-Aktuell am 21. 12. 2015

TOP
Hier gelangen Sie zum News-Archiv des Landessportbundes Berlin

Pressestelle

des Landessportbundes Berlin
030 30 002 - 116