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Austrittswelle nach Hallen-Beschlagnahme

(v.l.) Dr. Karin Fehres vom DOSB, DOSB-Präsident Alfons Hörmann, Thomas Kaupel und Kirsten Ulrich vom Vorstand der Karower Dachse und LSB-Direktor Dr. Heiner Brandi trafen sich zum Gespräch. Foto: Suffner

DOSB-Präsident Alfons Hörmann zu Besuch beim Sporttreff Karower Dachse

Die Karower Dachse sind ein Berliner Verein, der seit 1999 besonders auf ein familienfreundliches, kreatives und kostengünstiges Sportprogramm Wert legt. Für ihre hervorragende Arbeit wurden die Karower Dachse 2009 mit dem 3. Platz „Sterne des Sports“ geehrt. Seit im November 2015 die Turnhalle der Grundschule am Hohen Feld für die Unterbringung von Flüchtlingen umgewandelt wurde, ist den Karower Dachsen ihre wichtigste Übungsstätte weggebrochen. Das stellt den Verein vor große Probleme. DOSB-Präsident Alfons Hörmann stattete den Berlinern einen Besuch ab, um mit ihnen über ihre Projekte zu sprechen und zu diskutieren, wie dem Verein in seiner jetzigen Notsituation geholfen werden kann.

 

Bis November 2015 trainierten etwa 80% der damals 1800 Dachse-Mitglieder in der Sporthalle der Grundschule am Hohen Feld. „Wir haben in der Halle sieben Tage pro Woche, von 16-21.30 Uhr Sportkurse angeboten. Als die Beschlagnahme bekannt wurde, gab es sofort eine erhebliche Austrittswelle. Bis Ende des Jahres hatten schon 150 Mitglieder den Verein verlassen – mittlerweile sind es ca. 300“, erklären Kirsten Ulrich und Thomas Kaupel vom Dachse-Vorstand.

 

Um weitere Kündigungen zu vermeiden, sind sie kreativ geworden. Derzeit treiben die Dachse an 14 verschiedenen Standorten Sport – was einen deutlichen organisatorischen und finanziellen Mehraufwand bedeutet. Aerobic und Rehasport finden in einem ehemaligen Drogerie-Markt statt, in einer kirchlichen Begegnungsstätte üben die jungen Cheerleader, die Hockeyspieler konnten im nahegelegenen Robert-Havemann-Gymnasium unterkommen. Doch nicht alle hatten so viel Glück. Kaupel: „Wir zahlen jeden Monat über 2000 Euro Miete für die Räumlichkeiten und die Umstände sind teilweise mangelhaft, doch für höhere Standards haben wir kein Geld. Etliche Sportarten, z.B. Tuchakrobatik, Großtrampolin oder Rhönradturnen, können wir nicht mehr anbieten, weil der Platz fehlt. Unsere Basketballer haben sich zum 30. Juni von uns gelöst und einem anderen Verein angeschlossen, da wir den Spielbetrieb nicht mehr finanzieren können.“ Ulrich ergänzt: „Wer einmal ausgetreten ist, kommt vermutlich nicht zurück, sondern sucht sich dauerhaft eine Alternative. Wir müssen also jetzt investieren, um die Mitglieder zu halten – auch wenn wir dadurch in diesem Jahr Verluste machen.“

 

Nach derzeitigem Stand soll die Turnhalle der Grundschule am Hohen Feld zum 9. Juli freigezogen werden. „Das habe ich zufällig von einem unserer Ehrenamtlichen erfahren“, sagt Kaupel. Unklar ist, wie es dann weiter geht.

 

LSB-Direktor Heiner Brandi: „Wir machen uns große Sorgen um die zügige Sanierung der Hallen“. Aktuell sind weder die Finanzierung noch die Zuständigkeiten eindeutig geklärt, sodass mit empfindlichen Verzögerungen bei der Rückführung zu rechnen ist. Kaupel frustriert: „Das können wir unseren Mitgliedern nicht mehr erklären. Keiner versteht, dass die Halle innerhalb von wenigen Stunden beschlagnahmt wurde, aber es dann möglicherweise viele Monate dauert, sie zurückzugeben.“ Die Dachse schätzen, ihre Trainingsräume erst ab dem Schuljahr 2017/18 wieder benutzen zu können.

 

DOSB-Präsident Hörmann findet die Situation nicht tragbar: „Die Vielzahl der Beschlagnahmen und die Dauer der Rückführung sind in Berlin besonders problematisch. Es ist nicht akzeptabel, dass es so lange dauert, die Hallen zurückzugeben. Die Frage ist nicht, wann die Flüchtlinge aus den Hallen raus sind, sondern wann die Sportler wieder drin sind!“ Der DOSB-Chef war nicht nach Berlin gekommen, um schöne Worte zu sprechen – er wolle Taten folgen lassen. Der DOSB hat daraufhin eine Stellungnahme beschlossen, die besonders an den Berliner Senat appellieren soll, „den Schmerz der Sportler nicht unnötig zu verlängern“, denn schließlich „ist und bleibt Berlin Deutschlands Sportstadt Nummer eins“, so Hörmann weiter.

 

Kirsten Ulrich ist enttäuscht über die Situation in Berlin: „Die Senatsverwaltung unterschätzt offensichtlich die Arbeit des Sports und wie wichtig er für die Bürger ist.“ Deshalb will auch der DOSB in seiner Positionierung deutlich machen, dass „Berlin dem Sport einen Bärendienst erweist“, wenn Vereinsaustritte und die Einstellung der sportlichen Aktivität als Folgen hingenommen würden.

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