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Nach Rio bleiben Nachwuchs und Trainer Top-Thema

Ein Kommentar von Robert Bartko, LSB-Vizepräsident für Leistungssport

Zwei Wochen Olympia in Rio de Janeiro mit tollen Momenten, Favoriten-Siegen, Sensations-Erfolgen, aber auch Enttäuschungen fanden am Sonntag ihr Ende. Nach behäbigem Start zeigten die deutschen Athleten in Woche zwei ein Steigerungsrennen – präsentierten sich oft mit dem 2012 in London häufig vermissten Sieger-Gen. Die von 11 auf 17 gesteigerte Zahl der deutschen Gold-Medaillen, an denen Athleten aus Hauptstadtklubs oder mit Trainingsstandort Berlin (47 zählten zum Team Deutschland) maßgeblich beteiligt waren, brachte das zum Ausdruck.

 

Ruder-Gold durch Karl Schulze und Hans Gruhne, gleich zwei Siege vom Kanuten Marcus Groß, der Diskus-Triumph von Christoph Harting, Bogen-Silber durch Schützin Lisa Unruh, die Auftritte der Handball-Füchse im DHB-Nationalteam, Bronze der Hockey-Asse Martin Häner und Martin Zwicker sowie Wasserspringer Patrick Hausding, Team-Silber für die TTC-Eastside-Damen Petrissa Solja und Shan Xiaona unterstrichen, dass Berlins Sport breit aufgestellt ist und über Potenzial verfügt.

 

Zugleich aber ist mit Platz 5 der Nationenwertung und 42 Medaillen der nach dem London-Weckruf (Rang 6, 44 Medaillen) benannte Zielkorridor von 42 bis 71 Medaillen verfehlt worden – am Ende steht die geringste Medaillenzahl seit der Wende. Auch in Rio sind Strukturprobleme des deutschen Spitzensports deutlich aufgezeigt worden. Gerade in den olympischen Kernsportarten Schwimmen und Leichtathletik war das auffällig. Die Dringlichkeit von Veränderungen ist nicht kleiner, sondern eher größer geworden.

 

DOSB-Präsident Alfons Hörmann mahnt: „Wenn wir nicht zügig und klar agieren und den Mut aufbringen, die Dinge anzupassen, wird zumindest Tokio 2020 und viel mehr dann 2024 und 2028 nicht so laufen können, wie wir es uns vorstellen.“ Und damit hat er recht. Die Rio-Bilanzen einzelner Sportarten waren zum Teil ernüchternd. Im Rudern gab es zwar zweimal Gold (Doppelvierer, Männer und Frauen) und einmal Silber (Männer-Achter), aber dies waren die einzigen drei Boote in den 14 Finals. Noch krasser war das Missverhältnis bei den in 32 Konkurrenzen medaillenlosen Schwimmern. Für die Leichtathletik gilt trotz Sensations-Gold von Christoph Harting und Speerwerfer Thomas Röhler ähnliches.

 

In den Kampf- und Kraftsportarten, im Radsport (bis auf die Bahn-Frauen), im Fechten und Segeln ist Deutschland kein Hauptdarsteller mehr auf der Bühne des Sports, sondern nur Komparse. Die Überraschung darüber hält sich in Grenzen. Seit 20 Jahren weisen Insider und Kenner der Sportstrukturen hartnäckig auf Probleme hin – passiert ist wenig. Dass nun seit einiger Zeit in Arbeitsgruppen von BMI und DOSB über eine Reform des Spitzensports beraten wird, ist gut. Besser wäre es natürlich, wenn endlich etwas passieren würde. Noch im Herbst 2016 soll ein Reform-Entwurf vorgelegt werden. Vor allem bei zwei Punkten müssen Fakten geschaffen werden: Wie soll Nachwuchs besser und zielgenauer gefördert werden und wie soll die Trainer-Offensive endlich so mit Inhalt gefüllt werden, dass sie diesen Namen verdient?


Die elf Berliner Olympia-Medaillen im Überblick

 

Gold

Kanu: Marcus Groß (Kajakzweier und -vierer 1000 m)

Leichtathletik: Christoph Harting (Diskuswurf)

Rudern: Karl Schulze und Hans Gruhne (Doppelvierer)

 

Silber

Bogenschießen: Lisa Unruh

Rudern: Martin Sauer und Andreas Kuffner (Achter)

Tischtennis: Petrissa Soljaund Xiaona Shan (Team)

 

Bronze

Handball: Paul Drux, Silvio Heinevetter, Fabian Wiede und Steffen Fäth

Hockey: Martin Häner und Martin Zwicker

Judo: Laura Vargas Koch

Wasserspringen: Patrick Hausding (Kunstspringen 3 m)

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