Startseite / Aktuelles / News / Ist Gaming Sport?

Ist Gaming Sport?

LSB-Direktor Heiner Brandi schrieb für "XING Klartext" einen Beitrag zum Thema "E-Sports – Professionalisierung vs. Daddelsport"

In der Frage, ob Elektrosport (E-Sport) – also der sportliche Wettkampf zwischen Menschen mit Hilfe von Computerspielen – als eine Sportart offiziell anerkannt werden sollte, bezieht der Landessportbund Berlin eine eindeutige Position.

 

Die Anerkennung einer menschlichen Betätigung oder Aktivität als Sport ist keine staatliche Aufgabe, sondern sie obliegt dem organisierten Sport. Der Landessportbund Berlin hat eine Aufnahmeordnung, die sehr dezidiert ist und Kriterien für die Anerkennung von Sportarten vorsieht.

 

Für die Definition des Begriffes „Sport“ gelten folgende Grundsätze:

1) Die Tätigkeit muss eine eigene, sportartbestimmende motorische Aktivität eines jeden zum Ziel haben, der sie betreibt.

Die eigenmotorische Aktivität liegt insbesondere nicht bei Denkspielen, Bastel- und Modellbautätigkeit, Zucht von Tieren, Dressur von Tieren ohne Einbeziehung der Bewegung des Menschen und Bewältigung technischen Gerätes ohne Einbeziehung des Menschen vor.

2) Die Ausübung der eigenmotorischen Tätigkeit muss Selbstzweck der Betätigung sein.

 

Wenn man diese Kriterien zugrunde legt und den Elektrosport betrachtet, dann muss man zu dem Ergebnis kommen, dass diese nicht erfüllt werden. Beim E-Sport steht die Beherrschung von technischen Geräten im Vordergrund. Natürlich bedarf es dazu auch motorischer Fähigkeiten. E-Sport ist eine Betätigung, bei der körperliche oder geistige Leistungen erbracht werden – aber nicht in natura. Die Spieler wirken vielmehr auf einen Datenverarbeitungsvorgang, ein Softwareprogramm ein. Dabei wird zweifellos die Geschicklichkeit entwickelt und die Feinmotorik trainiert und entsprechende kognitive Effekte können nicht infrage gestellt werden. Jedoch sind sie hier nicht der Selbstzweck der körperlichen Betätigung.

 

Zweifellos gibt es auch in den klassischen Sportarten zunehmend technische Unterstützung – beispielsweise für die Berechnung von Schrittfolge und Schrittfrequenz eines Langstrecken- oder Marathonläufers. Hierbei handelt es sich jedoch um die computerbasierte Unterstützung einer körperlichen Aktivität, die ein Mensch selbst ausführt. Im Gegensatz dazu spielen sich die Games auf einer virtuellen Ebene ab. Der Spieler bewegt bestenfalls die Tastatur, ein Gamepad oder einen Joystick. Das ist ein qualitativer Unterschied zu dem, was laut Definition des Landessportbundes Berlin Sport ist.

 

Weiterhin finden in der Elektrosport-Szene zumeist kommerzielle Veranstaltungen statt, die wirtschaftlichen Interessen folgen und nicht gemeinnützig sind. Zudem sind gewisse E-Sport-Spiele von gewaltverherrlichenden Inhalten geprägt und stehen damit nicht im Einklang mit sportethischen Werten. Das ist mit den Grundsätzen des Landessportbundes Berlin nicht kompatibel. Der LSB ist eine Dachorganisation für den gemeinnützigen Sport – Gemeinnützigkeit ist folglich eine Voraussetzung für die Anerkennung als Sportart durch den LSB. Aus dieser Identität heraus vertritt der LSB Berlin den Standpunkt, E-Sport nicht als Sportart anzuerkennen.

 

Hier geht's zu dem Artikel bei XING und den Leserreaktionen.

TOP
Hier gelangen Sie zum News-Archiv des Landessportbundes Berlin

Pressestelle

des Landessportbundes Berlin
030 30 002 - 116