FanProjekt Berlin
Begleitende und präventive Jugendarbeit mit gewaltbereiten Fußballfans
Das Arbeitsfeld “Sozialpädagogische Fanarbeit”
Fan-Projekte sind Einrichtungen der außerschulischen Jugendarbeit. Sie verstehen sich selbst als weitgehend unabhängige “Drehpunkteinrichtungen” zwischen jugendlichen und erwachsenen Erfahrungsebenen, zwischen den Bedürfnissen der kulturellen Lebenswelten und den Markt- und Verwaltungsmechanismen des organisierten Profifußballs. Entgegen der Auffassung des Deutschen Fußballbundes und der Polizei, die durch Distanzierung, Ausgrenzung und Kriminalisierung eine Deeskalation der Gewalt in den Stadien zu erreichen versuchten, nahmen sich Sozialarbeiter seit Beginn der 80er Jahre verstärkt der Problematik an.
Ausgehend von einer Deutung des Fanverhaltens als subjektiv angemessene Reaktion der Jugendlichen auf Widersprüche ihrer konkreten Lebenssituation, trug ihrer Meinung nach eine repressive Vorgehensweise eher zu einer Verschärfung als zu einer Lösung der Gewaltsituation bei. Eine adäquate Bewältigungsstrategie hinsichtlich Fangewalt konnte nur durch sozialpädagogische Begleitung des Fangeschehens erwartet werden. Das Fan-projekt Berlin unter der Leitung des Instituts für Sozialpädagogik der Technischen Universität Berlin gründete sich im Jahr 1985 als Fußballfanprojekt Berlin.
Ziel des Projekts war und ist es, die Lebenswelt von Fußballfans in ihrer Gesamtheit und Entwicklung unter Berücksichtigung öffentlicher und institutioneller Reaktionen zu erfassen und zu begreifen. Hiermit im Zusammenhang steht die Ausübung sozialpädagogischen Handelns, das sowohl auf Problemlagen in der Lebenswelt der Fans wie auch auf das Umfeld Bezug nimmt. Die Arbeitsschwerpunkte des Fanprojekts bestehen aus der aufsuchenden Jugendarbeit, aus nationalen und internationalen Jugendbegnungen, aus sportbezogener und kultur- pädagogischer Jugendarbeit, aus Jugendberatung sowie aus der Gremien-, Vereins- und Öffentlichkeitsarbeit.
Die Zielgruppe des Berliner Fanprojekts sind die Fans mehrerer Berliner Fußballvereine und eines Eishockeyvereins (EHC Eisbären). Durch den Standort im Sportforum Hohenschönhausen nutzen in erster Linie Jugendliche und junge Erwachsene aus den Bezirken Hellersdorf, Marzahn und eben Hohenschönhausen die Angebote der Fanprojekt Mitarbeiter. Im Mittelpunkt der Arbeit mit Einzelpersonen wie auch mit Gruppenmitgliedern steht der Aufbau von Beziehungen, die die Grundlage für gewaltpräventive Einflußnahmen bilden.
Das Fanprojekt Berlin beschäftigt mit drei Diplom- Sozialpädagogen/ - Pädagogen und einem Diplomsportlehrer vier Vollzeitmitarbeiter. Zudem bildet das Projekt seit einigen Jahren regelmäßig Jahres- und BlockpraktikantInnen der Sozialarbeit/Sozialpädagogik aus.

