Vereinsprojekt des Monats

Alle mit Engagement an der Platte

Steglitzer Tischtennis Klub stemmt als kleiner Verein neben normalen Betrieb auch noch im Rahmen des Gesundheitssports das DOSB-Projekt ZuG

Für einen kalten und vergraupelten Samstagvormittag ist ganz schön viel los: Die Tür zur Turnhalle des Steglitzer Gymnasiums fliegt unentwegt auf. Herein stapfen durchgeweichte kleine und große Schneemänner und -frauen. Einige noch etwas verschlafen, andere stürmen schwungvoll, nach einer herzlichen Begrüßung durch Trainer Ramon Brückner, in die Umkleidekabine. Die Bambini sind die ersten, die heute auf dem Stundenplan der TrainerInnen vom Steglitzer Tischtennis Klub e.V. (STTK) Berlin stehen. Manche Eltern haben es sich auf den Bänken in der Halle bequem gemacht, um zur Stelle zu sein, falls die Kinder, die noch nicht lange dabei sind, noch unsicher sind. Andere Papas und Mamas nutzen die Zeit in der ihre Sprößlinge bespaßt werden, anderweitig. „Die Kinder sind da nicht nur in Bewegung, sie lernen viel und sind gut aufgehoben. Ich kann einiges erledigen, was ich die Woche über nicht erledigen kann und was mit Kindern nervig ist“ sagt eine berufstätige Mutter.

Aufwärmtraining. Die Trainer scheuchen die Kids zu deren Vergnügen durch die Halle, bevor es dann heißt: „Alle an die Platte“, und sie spielerisch weiter die Kunst der Tischtennis-Technik lernen. „Ganzheitliche Körperschulung gehört natürlich zum Programm“, sagt Vorsitzender Cristian Kühnel, der einen sehr jungen Verein führt, der dennoch eine lange Tradition hat. 2014 machte sich die Tischtennis-Abteilung des VfK Südwest selbständig und gründete den STTK.. Zuvor hatte sich die TT-Abteilung dort besonders um Jugendarbeit und den wettkampforientierten Erwachsenensport gekümmert, aber es wurden auch viele Zusatzangebote entwickelt. Wegen Differenzen mit dem VfK beschloss die gesamte TT-Abteilung sich dann als Verein zu etablieren. Dass der Trennungsschritt richtig war, zeigt der Zuspruch, den der Verein erlebt, der nur 81 Mitglieder hat.

Als Mitglied wird in den Klub nur aufgenommen, wer in einer Mannschaft spielt, und die Teams sind überregional (Herren) und in fast allen Berliner Ligen zu finden. Neben dem Leistungsbereich, den wir „aus unserem eigenen Nachwuchs besetzen, wir kaufen keine Spieler“, sagt Kühnel, stehen natürlich Freizeitspieler Schlange. Und diejenigen, die Gesundheitssport treiben oder durch das DOSB-Projekt ZuG (Zugewandert und Geblieben) beim Verein gelandet sind.

100 bis 150 „Breitensportler“ stehen hier – vor allem an den Wochenenden – an den Platten, betreut von qualifizierten TrainerInnen. Die Hallen sind auch – nach dem Bambini-Training - voll, die Spielfreude groß, und manch einen hat das „Pingpong-Fieber“ gepackt. Der STTK bietet ein preisgünstiges Karten- und Kurssystem für Freizeitspieler und für Kinder an, die einsteigen.

Erstaunlich ist, was das kleine, engagierte Vorstands- und Trainerteam so auf die Beine stellt. Man muss schon ein passionierter Tischtennisfreak sein wie etwa Trainer Christoph Puhlmann, der seine gesamte Freizeit dem Tischtennis „opfert“, besser gesagt: widmet. Die Wochenenden verbringt er bei Punktspielen und den Rest der Woche als Trainer im Mannschafts- und Anfängerbereich. Auch Margit Howald, zuständig für Gesundheits- und Freizeitsport, hat sich richtig „reingehängt“ in ihren Bereich. Fortbildungen gehörten eine Weile zur zusätzlichen Freizeitgestaltung der ohnehin beruflich ausgelasteten medizinisch-technischen Radiologie-Assistentin, die im Schichtdienst im Krankenhaus arbeitet.Alle sind sie ambitioniert, und nicht nur die Spieler, sondern auch die Ehrenamtlichen sind „Eigengewächse“ des Vereins. Teamgeist gilt nicht nur an der Platte, sondern auch im gesamten Vereinsleben.

Im Rahmen des Gesundheitssports kam das DOSB-Projekt ZuG auf den Verein zu, „gerade als wir im Umbruch waren“, sagt Kühnel. Stress pur, aber sie stellten sich der Aufgabe. Mit großer Unterstützung von Doris Simon, der Projektkoordinatorin des Deutschen Tischtennis Bundes, wurden viele Hürden genommen und Problemklippen umschifft, erzählen Kühnel und Howald. Die Anwerbung der Zielgruppe 60+ sei das größte Problem gewesen. Unzählige Aktionen wurden gestartet, Netzwerke und Kontakte aktiviert, potentielle Partner angeschrieben, aber der Erfolg hielt sich in Grenzen. Dennoch versuchten sie es weiter, aufgeben wollten sie nicht. „Obwohl die DOSB-Anforderungen an die Vereine schon ziemlich hoch waren, zumal an einen kleinen Monosportverein wie unseren. Manchmal hätten wir am liebsten hingeschmissen, aber dank aller im Verein haben wir dann weitergemacht – es war nur mit einem ausgesprochen großen Kraftakt zu bewältigen“, erzählen sie. Am Ende, so Kühnel, haben zumindest die TeilnehmerInnen an dem Projekt Kontakte mit andern geknüpft.

Nun haben die unermüdlichen STTKler schon wieder ein neues Projekt am Laufen: Flüchtlinge.

Samstags kommen diese nun zum Freizeit-Tischtennis. Der arabische Sportwissenschaftler Mohamed Wagih bringt sie mit, denn „ohne Abholen kommen sie nicht“, sagt Margit Howald. Für viele sei der Sport hier eine willkommene Abwechslung, aber dennoch sei die Fluktuation momentan noch sehr groß. Mit Flyern in arabischer Sprache wird für das Spiel mit dem kleinen Zelluloidball geworben, das beim STTK schon ziemlich international und bunt ist. Das beeindruckt auch die junge syrische Frau, die gerade mit Mohamed eingetrudelt ist. Tischtennis hat sie schon gespielt. Sie will beim nächsten Mal noch Landsleute mitbringen. Nicht nur wegen des Spiels, sondern auch wegen des Hauchs von menschlicher Wärme, den sie gleich an der Eingangstür gespürt hat. Auch deshalb ist der Steglitzer Tischtennis Klub ein besonderer Verein.

 

Infos: www.sttkberlin.de