Vereinsprojekt des Monats

Ein Känguru spielt auch noch mit

Projekt „Volleyball und Schule“ des TSV Tempelhof-Mariendorf e.V. auf der Erfolgsspur

Am Strand oder im Park – viele tun es: Volleyball spielen. Und in Berlin hat man das Gefühl, dass Volleyball die (Freizeit-) Sportart von groß und klein ist. Und nicht zuletzt verstärkt sich dieser Eindruck durch den Publikumszuspruch der beiden Berliner Bundesligateams. Also haben Volleyball-Vereine in Deutschland und speziell in der Hauptstadt keine Nachwuchs- oder Mitgliederprobleme? Der Schein trügt: Auch der Deutsche Volleyball-Verband hat in den letzten acht Jahren 39.397 (8,9 Prozent) Mitglieder verloren. 446.177 waren es 2014 noch.

Kai Goebels, Jugendsportwart Volleyball vom TSV Tempelhof-Mariendorf e.V. sagt, die Wahrnehmung des Profivolleyballs sei das eine, aber zwischen Vereinssport und Schulsport im Bezug auf  Volleyball gäbe es eine große Lücke. „Wir haben Kinder im Alter zwischen 9 und 15 befragt und festgestellt, dass man in diesen Altersgruppen Volleyball zwar wahrnimmt - viele kennen die Sportart und auch einige der Berliner Stars. Sie finden die Sportart cool - aber das war es dann auch.“

Die Mariendorfer machten sich Gedanken, wie sie Kinder zum Volleyball bringen könnten, und kamen auf die Idee mit dem Projekt „Volleyball und Schule“. Den Nachwuchs da abholen, wo er am meisten Zeit verbringt, erscheint logisch, ist aber  schwieriger umzusetzen als gedacht.

Frust am Anfang: Gespräche mit Lehrkräften an den Schulen im Bezirk waren zunächst entmutigend. „Viele LehrerInnen hielten Volleyball für zu kompliziert, um es den Kindern beizubringen“ berichtet Goebels. „Methoden und Lehrmittelausstattung sind oft veraltet, teilweise müssen die Kinder noch mit schweren Lederbällen aus der Dino-Zeit des Volleyballs trainieren.“ Und die lassen  beim Baggern und Pritschen nicht gerade Freude aufkommen, weil der Ballkontakt bei unzureichender Technik doch sehr schmerzhaft sein kann.

Aber dann, nach vielen Besuchen und Gesprächen an den Schulen, kam Freude auf: Ermutigt durch die Bereitschaft der überwiegenden Mehrheit der Lehrkräfte, bei entsprechender Unterstützung auch Volleyball zu unterrichten, bot der TSV Schnupperstunden während des Sportunterrichts im Bezirk in neun Schulen an. 100 dieser Schnupperstunden wurden umgesetzt und erreichten damit mindestens 600 Kinder (jeweils zur Hälfte Mädchen und Jungen). Und viele blieben dabei: In einer AG entdeckten die Kinder ihr Faible für das Spiel am Netz. An einigen Schulen war die Nachfrage so groß, dass zwei Gruppen angeboten wurden. Und einige übernahmen die AGs in Eigenregie, andere wollten das nicht – nicht zuletzt auch wegen mangelnder eigener Kapazitäten. Natürlich sollen diejenigen Kinder, die in einer AG  waren, dann vielleicht mal Vereinsmitglied werden – das ist das ambitionierte Ziel des TSV-Projekts. Doch auch das ist nicht so einfach.

„Es gibt eine große Fluktuation in dieser Phase. Manche Kids finden dann, dass das regelmäßige Training zu viel ist. Andere entdecken eine andere Sportart oder ein anderes Hobby.“ Deshalb muss das Angebot stimmen. Voraussetzung dafür sind gute, qualifizierte Lehrer und gutes Material. „Wir wollen den Kindern altersgerecht den Spaß an der Bewegung und am Spiel vermitteln“ sagt Goebels, der mit jedem Satz sein Engagement für die Sache und die Leidenschaft für „sein“ Volleyball ein Spiel, wie er sagt, „mit Finesse und Teamspirit“ unterstreicht.

„Motivieren, begeistern, Spaß“ sind Wörter, die immer wieder auftauchen, wenn er beschreibt, wie intensiv die Jüngsten dabei sind, wenn es um das Erlernen von pritschen, baggern, blocken, aufschlagen geht. Und später finden viele auch an den taktischen Spielzügen großen Gefallen, weil man der Mannschaft auf der anderen Seite des Netzes  mit cleveren Aktionen das Leben schwer machen kann.

Dass es nicht plötzlich zu ernst wird und der Spass nicht zu kurz kommt, dafür gibt es  auch jemand: Volleyru. Wer bitte? Volleyru ist das Maskottchen, dessen momentaner Name ein Wortkonglomerat aus Volleyball und Känguru ist. Die TSVler suchen noch mit den Kindern nach einem Namen. Walter fanden viele passend, aber dann doch nicht so richtig: Einige Kids sind der Meinung, man bräuchte einen trendigen Namen. Aber warum eigentlich? Känguru Walter hat doch was. Übrigens ziert das smarte australische Beuteltier unter anderem T-Shirts, Trinkflaschen und Turnbeutel des Vereins – und das verbindet: Teamspirit dank Känguru, da kommt  gleich gute Laune auf.

Das erfolgreiche Projekt will das fünfköpfige Team mit Alex Berndt, Nicola Haschke, Christian Hohmann, Jenny Petzold und Kai Goebels ausbauen. Aber – wie viele andere Vereine - haben auch die Marienfelder mit Hallenzeiten und -kapazitäten so ihre Probleme, und Kämpfe mit  den entsprechenden Ämtern auszutragen. Und es gibt eben auch Konkurrenz: Wenn Schulen eine Theater- oder Fußball-AG anbieten, sind sie oft damit schon zufrieden. Noch eine Volleyball-AG? Na, da muss man ja wieder am Stundenplan basteln und Lehrer abstellen und...

Dass sich der Aufwand für Schule und Kinder lohnt, zeigen die Erfolge. Und learning by doing ist auch eine gute Devise für die Schule, um Begeisterung für eine Sache  zu wecken. Das hat ja schließlich der Erfinder des Spiels, der Sportdirektor der YMCA in Holyoke (Massachusetts), William G. Morgan, 1895 auch geschafft, als er Volleyball aus Elementen von Tennis und Handball kreierte. Und als das Spiel dann von den USA aus weltweite Verbreitung fand: 220 Nationen repräsentiert der  internationale Verband FIVB. Nach Schätzungen soll Volleyball ein Sechstel der Menschheit aktiv oder passiv begeistern. Und wie geht das? Zum Beispiel, wenn sie schon ganz früh anfangen. „Um die Kinder von der Attraktivität des Spiels zu überzeugen, muss man mit ihnen Volleyball spielen“, sagt Manuel Müller, Ko-Trainer der BR Volleys. Ganz einfach, oder? Und der TSV Tempelhof-Mariendorf ist mit seinem Projekt der beste Beweis dafür.

Infos zum Projekt:volleyball@tsvtm.de