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100 Jahre Handball

Talkrunde und Buchlesung beim LSB 

Es war eine interessante, beeindruckende Reise in die Vergangenheit, mit der sowohl der Handball-Verband Berlin (HVB) als auch der Landessportbund Berlin (LSB) in der gut besuchten Gerhard Schlegel-Sportschule am Priesterweg an das Wachsen und Werden des Handballsports erinnerten, der vor 100 Jahren, am 29. Oktober 1917, vom damaligen Berliner Turner Max Heiser erfunden und in Regeln gegossen wurde und seitdem weltweit eine rasante Entwicklung erfuhr.

War es Zufall oder nicht? Genau 100 Minuten dauerte der von Dr. Thomas Schneider flott moderierte offizielle Teil, der dann später bei den Gesprächen am Kalten Büfett seine ausgiebige Fortsetzung fand. Schließlich gab es viel zu erzählen, denn viele waren gekommen, die selbst Handball-Geschichte schrieben.

 Eingeleitet wurde der Abend mit einer Lesung des Sportwissenschaftlers Prof. Dr. Detlef Kuhlmann (Leipniz-Universität Hannover), der aus seinem gerade erschienenden Buch „100 Jahre Handball – 50 handverlesene Texte zum Spiel“ ein paar sporthistorisch bemerkenswerte Ereignisse zitierte, die sich auch mit dem deutsch-deutschen Verhältnis während des Kalten Krieges beschäftigten. Wie etwa das heiß umkämpfte, dramatische WM-Spiel im März 1978 in Kopenhagen, als sich die Bundesrepublik und DDR (14:14) gegenüberstanden und wie zu später Stunde der Rostocker Wolfgang Böhme heimlich auf dem Zimmer des Großwallstädter Kurt Klühspies auftauchte, um dort mit Heiner Brand und Co. ein paar Bierchen zu trinken.

Auch Heidi Lange, langjährige Nationalspielerin beim TSV GutsMuts und ehemalige Leiterin des Horst-Korber-Zentrums, berichtete in der nach der Buch-Präsentation stattgefundenen Talkrunde von guten Kontakten, die sich das eine oder andere Mal nach einem offiziellen Ost-West-Treffen ergaben und meinte dann weiter, „doch am nächsten Morgen durfte uns niemand mehr kennen.“

Unter den vielen Gästen war auch Diethard Finkelmann, den man durchaus als amtierenden Weltmeister bezeichnen kann. Er gewann 1966 in der Schweiz mit der bundesdeutschen Nationalmannschaft den letzten Titel auf dem Feld, denn danach wurde nur noch in der Halle gespielt. Mit Wolfgang Braun nahm er als Westberliner auch an den Olympischen Spielen in München 1972 teil. Gleiches galt für den Ostberliner Dynamo-Mann Rainer Zimmermann auf DDR-Seite – damals traf man sich nicht, aber jetzt in der Schlegel-Sportschule.

Ein Wiedersehen gab es auch auf Funktionärsebene. HVB-Präsident Thomas Ludwig traf seinen langjährigen Vorgänger Henning Opitz (1994-2012) und Wolfgang Hartsch, den Ehrenpräsidenten des Brandenburgischen Verbandes, der einst in Teltow spielte und nach der Wende viel für das Zusammenwachsen des deutsch-deutschen Handballs tat.

Text: Hansjürgen Wille

Fotos: Jürgen Engler

Einen kurzen Film über die Veranstaltung zeigen wir hier

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