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LSB-Präsidentenversammlung 2016

Verbände verabschieden Resolutionen über schnelle Rückgabe und Sanierung der Hallen sowie über Forderungen an die Koalitionsvereinbarung

So umfangreich wie in diesem  Jahr war die Tagesordnung der LSB-Verbandspräsidententagung noch nie. Die Drei-Stunden-Versammlung zeigte, dass der  Informations- und Gesprächsbedarf angesichts der aktuellen Aufgaben und Probleme im Berliner Sport groß ist. Für LSB-Präsident Klaus Böger waren die Abgeordnetenhauswahlen und die zu Ende gehende Legislaturperiode Anlass, in seiner Eröffnungsrede eine sportpolitische Bilanz zu ziehen. Dabei machte er aus seiner Enttäuschung keinen Hehl: „Die Koalitionsvereinbarung war gut, was den Sport betrifft. Aber die Koalition hat sich nicht daran gehalten und zentrale Forderungen nicht umgesetzt.“

Er verwies darauf, dass die letzte Regierungskoalition eine Regelung über die Grundsicherung des Sports unabhängig von der Höhe der Lotto-Einnahmen versprochen, aber nicht eingelöst hat. Der organisierte Sport in Berlin braucht, sagte er,  zur Sicherung seines vielfältigen Angebots Kontinuität in der finanziellen Förderung. „Meine Präsidiumskollegen und ich haben viele Gespräche mit verantwortlichen Politkern geführt. Vergebens. So schafft man kein Vertrauen in die Politik.“

Klaus Böger konnte zwar auch Positives berichten. Er nannte das Bädersanierungsprogramm, die finanzielle Verbesserung für Trainer und Übungsleiter sowie die Verdopplung des Sportanlagensanierungsprogramms. Aber zur Negativ-Bilanz zählt für ihn vor allem auch das Thema „Flüchtlinge in den Sporthallen“. Noch immer sind von den insgesamt 63 Sporthallen, die zu Notunterkünften umfunktioniert wurden, 42 Hallen belegt, berichtete LSB-Vizepräsident Thomas Härtel. Von den 21 freigezogenen Hallen können erst zwei wieder von Vereinen genutzt werden. „Wir haben mit Nachdruck gesagt“, erinnert Klaus Böger, „dass die Belegung von Sporthallen nur eine vorübergehende Lösung sein kann.“ Es sei deshalb „keine saubere Art, die notwendigen Ausweichflächen nicht zur Verfügung zu stellen“.

Dennoch hofft er, dass der Senatsbeschluss vom 13. September 2016 umgesetzt wird und alle Hallen bis zum Ende dieses Jahres freigezogen werden. Er betont aber zugleich, dass nach dem Freizug unverzüglich mit der Sanierung begonnen werden muss. Ein langer Leerstand in den freigezogenen Hallen sei unverantwortlich. Er nannte das Beispiel Horst-Korber-Sportzentrum, wo am 9. Mai die letzten Flüchtlinge ausgezogen sind. Erst vor wenigen Tagen, am 14. Oktober, erhielt der LSB vom Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten den Bescheid über die Freigabe der Sanierungsmittel, der die Voraussetzung dafür ist, dass mit der Ausschreibung der Sanierungsarbeiten begonnen werden kann. „Sommer 2017 ist realistisch, dass das HKS wieder ans Netz gehen kann“, sagt Klaus Böger und brachte seinen Ärger über die schleppenden bürokratischen Abläufe in der Berliner Verwaltung zum Ausdruck.

Der LSB-Präsident kritisiert in diesem Zusammenhang die Sportverwaltung, „die zunehmend Programme an sich zieht  – mit dem Ergebnis:  längere  Wege für die Vereine.“ Thomas Härtel berichtete  über die Umsetzung der Kostenrückerstattungsrichtlinie, wonach  Vereine, die  finanzielle Verluste durch die Beschlagnahme von Sporthallen hatten, auf Antrag Geld zurückbekommen können: „Das läuft in einer kleinteiligen, umständlichen Art und Weise, dass man nur den Kopf schütteln kann.“

Dass der Berliner Sport bei dem Problem der beschlagnahmten Sporthallen mit einer Stimme spricht, zeigt die Abstimmung über die vom LSB vorgelegte Resolution „Berliner Sport fordert zügige Rückgabe und Wiederherstellung der Sporthallen – Den Ankündigungen müssen endlich Taten folgen!“. Die Resolution  wird von der Präsidentenversammlung mit nur einer Stimmenthaltung angenommen.

Auch über die Resolution „Elementare Forderungen des Sports an das neu gewählte Abgeordnetenhaus und den neuen Senat von Berlin” herrscht Einigkeit. Gefordert wird außer einer Vereinbarung über eine finanzielle Grundsicherung die Berücksichtigung einer ausreichenden Sportinfrastruktur in der wachsenden Stadt, die Erhöhung des Vereinsinvestitionsprogramms und die finanzielle Verstärkung des LSB-Förderprogramms „Berlin hat Talent“. Diese  Forderungen sollen, so heißt es in der Resolution, Niederschlag  in den Koalitionsverhandlungen und in der Koalitionsvereinbarung finden.

Klaus Böger informierte die Verbandspräsidenten auch über das Thema  „Sportverbund Berlin“, das seit einigen Wochen im Berliner Sport diskutiert wird. Die Anwesenden hatten in ihren Tagungsunterlagen das Leitbild und das Strukturpapier, das sich der  „Sportverbund“ gegeben hat. Laut der beiden Papiere soll der Sportverbund Berlin eine Interessenvertretung gemeinnütziger und förderungswürdiger Berliner Sportvereine mit mehr als 2000 Mitgliedern sein. Die Mitgliedschaft der Großvereine mit Stimmrecht im LSB stellt das Hauptziel des „Sportverbundes Berlin“ dar, heißt es weiter im Leitbild. Im Gegensatz dazu sind die Vereine bislang nicht unmittelbar Mitglied im Landessportbund, sondern Mitglied in den Fachverbänden und der  LSB ist die Dachorganisation der Verbände. Mehrere Verbandsvertreter äußerten in der anschließenden Diskussion ihr Unverständnis. „An zwei Ansprechpartnern im Sport ist die Politik nicht interessiert“, sagte Ehrhart Körting vom Behindertensportverband.  „Was wird dann aus den Bezirkssportbünden?“ fragte Norbert Baron vom Bezirkssportbund Spandau. „Es ist nicht erforderlich, einen Staat im Staate zu schaffen - mit besonderen Rechten. Die Ziele, die sich der Sportverbund gibt, sind die Ziele des LSB und die verfolgt der LSB seit Jahren“, so Harry Klempert vom  Bezirkssportbund Lichtenberg. Klaus Böger betonte, dass der LSB laut seiner Satzung strukturiert ist, die natürlich geändert werden kann. „Darüber muss man am Ende des Tages abstimmen.“ Er machte aber deutlich: „Die Einheit des Sports ist ein hohes Gut. Man wird nicht stärker, wenn man sagt, man tritt allein an. Ich halte nichts davon, wenn LSB, Profivereine und Großsportvereine getrennt gehen. Es lohnt sich, die Interessen zu bündeln. In welcher Formation – da bin ich nicht festgelegt.“ In diesem Sinn werde der LSB weitere Gespräche zu diesem Thema führen.

Entsprechend der Tagesordnung erläuterte im weiteren Verlauf  der Versammlung LSB-Abteilungsleiter Jens Krüger den LSB-Haushalt 2017. Kati Brenner, Geschäftsführerin des OK Turnfest Berlin 2017, berichtete über die Planung für das Turnfest im nächsten Jahr in Berlin und die Beteiligungsmöglichkeiten der Vereine. LSB-Vizepräsidentin Claudia Zinke stellte den „Masterplan Integration und Sicherheit“ des Senats vor und konnte darüber informieren, dass sich das LSB-Präsidium dafür eingesetzt hat, damit  der Sport angemessen berücksichtigt wird.  

LSB-Abteilungsleiter Frank Schlizio erläuterte den Stand der DOSB-Leistungssportreform. Seine Ausführungen wurden von LSB-Direktor Heiner Brandi ergänzt, der direkt aus Frankfurt zurückgekehrt war. Dort hatten am selben Tag beim DOSB Vertreter der Spitzenverbände und der Landessportbünde mit dem  Bundesinnenministerium über die Leistungssportreform beraten. Auf der Tagesordnung der LSB-Verbandspräsidententagung standen außerdem die Berichte von LSB-Vizepräsident  Isko Steffan zu Compliance-Regeln für den Sport  sowie die Ausführungen von Thorsten Süfke, Präsident des Landestanzsportverbandes, zur Entlastung des Ehrenamts und zur Neustrukturierung  der LSB-Gremien für eine engere  Abstimmung zwischen Fachverbänden und LSB.

Als die Vorsitzende der LSB-Präsidentenversammlung, Kathrin Brachwitz vom Karate-Verband, die Tagung nach drei Stunden beendet, ist allen klar: Auf der bevorstehenden Mitgliederversammlung des LSB am 25. November wird die Diskussion fortgesetzt.