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Max Liebermann und der Sport

"Reiten – Tennis – Polo" vom 19. März bis 26. Juni 2017 in der Liebermann-Villa am Wannsee

Der Sport durchdringt heute nahezu alle Lebensbereiche. Er gehört zum modernen Lifestyle, er wird zum populären Massenspektakel oder verleiht elitäres Prestige. Der Siegeszug des Sports begann in Deutschland vor über hundert Jahren und Max Liebermann war der erste deutsche Künstler, der sich intensiv mit diesem Thema auseinandersetzte. Motive wie Reiten, Tennis und Polo begegnen uns in den Werken von Max Liebermann in der Zeit zwischen 1900 und 1914 immer wieder. Anstoß hierzu gaben die französischen Impressionisten, die ab 1870 das Freizeitvergnügen der Großstädter zum Thema ihrer Kunst machten: das Picknick im Grünen, den Spazierganz mit Sonnenschirm und vor allem die sportlichen Aktivitäten wie Segeln, Rudern und Galopprennen, die das städtische Bürgertum ebenso wie die Künstler begeisterten.

Die ersten Bilder, in denen Liebermann körperliche Bewegung an der frischen Luft darstellte, zeigen badende Knaben. Der Künstler, der nahezu jeden Sommer in die holländischen Nordseebäder nach Scheveningen oder Noordwijk reiste, schuf eine ganze Serie dieser Motive. Dabei handelt es sich streng genommen nicht um ein bürgerliches Freizeitvergnügen, sondern den Sommerspaß von Jungen aus dem einfachen Volk, die sich ohne Scham ihrer Kleider entledigen und in die Fluten springen. Das bürgerliche Bad im Meer war zu dieser Zeit noch eine deutlich steifere Angelegenheit. Die vornehmen Badegäste ließen sich, trotz langärmliger Badebekleidung, aus Gründen der Schicklichkeit mit Badekarren bis ins tiefere Wasser fahren, um dort ungesehen in die Fluten steigen zu können. Auf einigen Bildern Liebermanns sieht man im Hintergrund diese Karren, die wie Umkleidekabinen auf Rädern aussehen.

Eine andere Aktivität am Strand war das Reiten, das hin und wieder als Begleitmotiv in den Bildern von Badenden zu finden ist und ab 1900 zu einem Hauptmotiv seiner Gemälde von der Nordseeküste avancierte. Liebermann war zu Jugendzeiten ein passionierter Reiter und liebte es, Ausritte in den Berliner Tiergarten zu machen, der direkt hinter dem elterlichen Haus angrenzte. Daher hatte er zu dem Motiv der Reiter seit langem einen persönlichen Zugang. Immer wieder malt er nun Männer und Frauen (im Damensitz) hoch zu Ross, die gemächlich am Meer entlang reiten.  

Einen wichtigen Einfluss auf Liebermanns Motivwahl hatten in dieser Zeit die sportlichen Aktivitäten seiner Tochter Käthe, die er in einem Gemälde von 1913 als Reiterin darstellte und die bei den Sommer-aufenthalten am Meer begeistert Tennis spielte. Die Sportart Tennis war in England schon seit einiger Zeit populär und schwappte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts über den Ärmelkanal an die Küste des Kontinents. Auch in den Badeorten, in den Liebermann verkehrte, wurden für die Gäste Tennisplätze zur sportlichen Betätigung angelegt. Die jungen Damen spielten damals noch in knöchellangen weißen Sommerkleidern und Sommerhüten, die Herren in leichten Sommeranzügen mit Kappe. Ebenso wie die Bekleidung war auch die damalige Spielweise mit dem heutigen Tennis kaum zu vergleichen. Was heute schweißtreibender Sport ist, war damals ein vornehmes Gesellschaftsspiel mit moderaten Bewegungen. Liebermann widmete diesem Spiel zahlreiche Gemälde und Pastelle. Er rückte dabei immer wieder eine weibliche Figur in den Vordergrund, für die ihm vermutlich seine eigene Tochter Modell stand, während sie mit dem Blick aufs Netz und dem Schläger in der Hand an einem Doppel teilnimmt.  

Ab 1902 geraten dann auch dynamische Sportarten mit Wettkampfcharakter wie Polo und Pferderennen ins Blickfeld des Künstlers. Als er im Hotel Louis Jacob logierte, um die „Terrasse beim Jacob in Nienstedten an der Elbe“ zu malen, sah er die Polospieler im nahegelegenen Jenisch-Park und war fasziniert von dem eleganten Sport der Hamburger Oberschicht, der sich mit der Gründung des Hamburger Poloclubs 1898 in der Hansestadt etabliert hatte. Die schnellen Bewegungen der Reiter auf dem Platz und ihr Ringen um den kleinen Ball regten ihn zu zahlreichen Studien, graphischen Arbeiten und Gemälden an. Mit demselben Blick betrachtete er nun auch Pferderennen. Zu den schönsten Bildern aus diesem Motivkreis gehört das "Pferderennen" aus dem Jahr 1914, dem möglicherweise Eindrücke von einem Besuch der Berliner Rennbahn Hoppegarten zugrunde liegen. Auch der Wassersport erhielt im Schaffen Liebermanns seinen Platz. Durch einen Auftrag der Hamburger Kunsthalle, das Uhlenhorster Fährhaus in Hamburg zu malen, wandte sich der Maler diesem Freizeitvergnügen zu. Er malte Ruderboote, Kanus und zuletzt auch Segelboote, deren sportlichen Wettstreit er als Inhaber eines Wassergrundstücks am Wannsee besonders gut studieren konnte. Zumeist beobachtete er jedoch die Boote bei vergnüglichen Lustfahrten auf dem See.

Liebermanns künstlerisches Schaffen führt die ganze Breite der Freizeit- und Sportaktivitäten der städtischen Oberschicht zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor Augen und vermittelt ein Bild des wilhelminischen Großbürgertums, das sich in seinem Freizeitverhalten am englischen "Sportsman"  orientierte. Insbesondere seine Darstellungen der Tennis- und Polospieler sind einzigartig in der deutschen und französischen Kunst seiner Zeit.  

Die Ausstellung wurde in Kooperation mit der Kunsthalle Bremen erarbeitet.    

Öffnungszeiten Liebermann-Villa:

März: Täglich außer dienstags 11-17 Uhr

April-Juni: Täglich außer Dienstag 10-18 Uhr

Do, So und Feiertage 10-19 Uhr

An Feiertagen geöffnet  

Eintritt:

8 €, ermäßigt 5 €, Gruppen ab 8 Personen 7 € p. P.

Familienticket: 18 €, freier Eintritt für Jugendliche unter 14 Jahren  

Öffentliche Führungen:

Oktober-März: Sa, So und Feiertage 14 Uhr

April-September: Mi 14 Uhr; Sa, So und Feiertage 12 und 16 Uhr  

Gruppenführungen: Besucherdienst der Liebermann-Villa, Tel.: 030-8058590-12, Mail: besucherdienst@liebermann-villa.de  

Anfahrt: S1 / S7 bis zum S-Bahnhof "Wannsee", dann weiter mit Bus 114 bis zur Haltestelle "Liebermann-Villa"

 

 

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