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LSB-Sportforum Ehrenamt

Vereins- und Verbandsvertreter diskutierten über „Modelle ehrenamtlichen Engagements – Wege zur Überwindung einer Krise“

Beim 2. LSB-Sportforum Ehrenamt mit der Überschrift „Modelle ehrenamtlichen Engagements – Wege zur Überwindung einer Krise“ hatten sich um die 40 Interessenten in der Schöneberger LSB-Sportschule versammelt, um drei Stunden zuzuhören, zu diskutieren, Erfahrungen und Vorschläge zu präsentieren. Dass die Teilnehmer keinen Spickzettel mit Wunderlösungen und Erfolgsgeheimnissen in die Hand gedrückt bekommen würden, war allen klar – aber es gab Anregungen, Anstöße, Aha- und Juhu-Effekte, Ernstes, Besinnliches und - das empfand der Besucher als wohltuend – auch Heiteres. Ganz der ausliegenden, sehr anschaulichen LSB-Broschüre „Ehrenamt im Berliner Sport. Training-Technik-Taktik“ gemäß, die viel mehr als bedrucktes Papier, sondern echtes Hilfsmittel im besten Sinne ist. Dort findet sich z.B. im Kapitel Taktik als Präambel für „22 Wege, tolles Engagement zu würdigen und den Zusammenhalt im Verein zu würdigen“ Artikel 1: „Lächle! Fröhliche Vereine erreichen mehr“.

So war es auch beim Forum, das mit einem Impulsvortrag von Prof. Dr. Ronald Wadsack (Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften) begann. Er ging die Sache zwar theoretisch an, verlor aber nie den Bodenkontakt und band Dargelegtes praktisch an. Das war griffig, schlüssig, anregend. So, wenn er den Vereinen „Schritte zur Zukunftsfähigkeit“ nahelegte, und dazu die Aussage packte: „Wir müssen uns um die Zukunft kümmern, denn wir müssen den Rest unseres Lebens darin verbringen“. Vereinskultur, Vereinsführung, Vereinsprogramm, Arbeitsinhalte, Partner – Stichworte für ausfüllende Debatten gab es zuhauf. Sie gipfelten für Wadsack in der Schlüssel-(Warum)frage: Warum soll ich Mitglied sein? Warum Zeit für Mitarbeiter(gewinnung) einbringen? Warum als Unternehmen oder als Kommune den Verein unterstützen? Je nachdem, wie die Antwort ausfüllt, werden auch die Ergebnisse oder die Erfolge der Vereinsarbeit sein. Das schließe Nachdenken über Teamwork, Investitionen (Schulden wie neu geplante Vorhaben), grundlegende Ideen (Digitalisierung, Demografie, Trensport) mit ein – in Verbindung mit allen Lebensphasen der zu gewinnenden Vereinsmitglieder hinweg, Schule, Studium, Haushalt, Beruf, Hobbies, nachberufliche Phase. Ein Ehrenamt auszuüben, ist für Wadsack kein Einmal-Akt, sondern ein Prozeß. Der beginnt mit dem Aufbau der Mitarbeitsbereitschaft, setzt sich mit Übernahme einer Aufgabe fort und geht über in permanente Entwicklung der Motivation zur Mitarbeit.

Mit dem Ende des Vortrags war die Stunde für drei Praxisbeispiele gekommen, die das Referierte in vielen Punkten treffend illustrierten. Manuela Stein/Cindy Kotlinsky von den Sportfreunden Kladow, (Vorsitzende und Geschäftsführerin), Aleksander Dzembritzki (Ex-Rütli-Schulleiter in Neukölln, SPD-Bezirksverordneter in Reinickendorf), Vorsitzender des Wander-Paddler-Havel e.V., und Andreas Moser vom Wander-Segler-Verein 1922 e.V. sprachen über Probleme, aber auch Chancen für das Ehrenamt in der Vereinsarbeit. Bei den Sportfreunden Kladow (SFK) hat man neben den Vorstand mit Manuela Stein als ehrenamtlicher Vorsitzenden mit Cindy Kotlinsky eine hauptamtliche Geschäftsführerin gesetzt, die nach eigenem Bekunden inzwischen einen „Fulltime-Job“ ausübt. „Das Hauptamt entlastet das Ehrenamt“, sagt sie und sieht sich absolut nicht in Konkurrenz, sondern als Partner. „Wir haben eine klare Rollenverteilung, wer für was verantwortlich ist. Ich bin quasi der administrative Teil und kann die Mitglieder auch näher an Vereinsentscheidungen heranführen.“ Diese Art der Verbindung zwischen Haupt- und Ehrenamt ist nur eine Möglichkeit, andern Orts kommt man (noch) ohne das Hauptamt aus.

Einen Königsweg, so oder so, gibt es nicht – die Lösungen, wie sich die Vereine am besten behaupten und entwickeln, sind singulär. Klar freilich ist auch, die Herausforderungen der Zukunft werden nicht geringer. Andreas Moser von den Wander-Seglern sprach am Ende fast so etwas wie das „Amen“ der belebenden Debatte des Forums. „Unser größtes Problem ist, wie gehen wir miteinander um, welche Kommunikationskultur pflegen wir. Dabei ist jedes Mitglied wichtig. Wir sollten uns über jeden Einzelnen freuen, dass er da ist.“

Text: Klaus Weise

Foto: Jaro Suffner

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