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„Bewegungsräume in einer wachsenden Stadt”

60 Teilnehmer diskutierten bei der LSB-Tagung am 18. September über die Entwicklung der Sportstätten-Infrastruktur in Berlin

Berlin wächst, der Raum wird knapp. Im Jahr 2030 werden hier voraussichtlich vier Millionen Einwohner leben. Mehr Berliner brauchen mehr Sportstätten. Aber welche und für wen? Wie sehen künftige Sportanlagen aus? Wie werden sie finanziert? Wie können mögliche Konflikte rund um das Thema Sportlärm oder Naturschutz bereits im Vorfeld entschärft werden? Diese und viele andere Fragen waren Themen der LSB-Fachtagung „Bewegungsräume in einer wachsenden Stadt”.

Rund 60 Vertreterinnen und Vertreter von Vereinen, Verbänden, Senat, DOSB und gesellschaftlichen Organisationen und  Initiativen diskutierten und informierten sich vier Stunden in der Gerhard-Schlegel-Sportschule. „Es wird überall gebaut, es werden Wohnungen errichtet, neue Gewerbesiedlungen entstehen, die Stadt verdichtet sich und dabei muss auch weiter an den Sport gedacht werden”, sagte LSB-Vizepräsident Thomas Härtel zu Beginn. Die Zahlen in seinem Vortrag machten deutlich, wie groß der Handlungsdruck ist: Allein bei den bezirklichen Sportanlagen gibt es einen Investitionsstau von über 170 Millionen Euro, bei Sportanlagen in der Verwaltung des Bildungssenats sind es rund 245 Millionen Euro. Der LSB fordere deshalb vom Senat, so Thomas Härtel, die Aufstockung der Sanierungsmittel und der Förderprogramme. Neben der Instandhaltung der vorhandenen Anlagen gehe es aber auch darum, betonte er, dass Sport und Bewegung in den Sportentwicklungsberichten und Stadtentwicklungsplänen berücksichtigt werden.

Das sieht auch Sportstaatssekretär Christian Gaebler so. „Sport ist genauso ein drängendes Problem wie der Bau von Wohnungen oder Schulen”, sagte er in seinem Grußwort. „Wir müssen immer mit an den Sport denken”, so Gaebler. „Wenn wir eine neue Schule mit Sporthalle bauen, müssen wir an den Vereinssport denken. Beim Neubau von Stadtteilen den Sport einplanen und Flächen dafür reservieren.”

Weil die Weichen für die Sportstättenentwicklung heute schon gestellt werden, hat der LSB mit der Tagung zur Diskussion eingeladen. Es wurden Beispiele vorgestellt, die zeigen, in welche Richtungen zurzeit gegangen wird. Elke Duda und Stephanie Panzig stellten des Projekt „Sport im Park” vor: In diesem Sommer fanden an drei Standorten Outdoor-Sportangebote statt, die von drei Vereinen organisiert werden: TSV Wittenau, VfL Tegel und VfB Hermsdorf. Unterstützung erhielten sie von der Senatssportverwaltung, dem Bezirksamt und der AOK. „Einfach hinkommen, einfach mitmachen, kostenfrei für die Teilnehmer” war das Motto. Die Motive der Vereine: Ihre Angebote außerhalb der Hallen zeigen, Kurse in den Sommerferien anbieten, neue Mitglieder gewinnen. Wie viele von den 3.500 Teilnehmern den Weg in die Vereine finden, ist noch unklar. Der Modellversuch im Norden Berlins zeigt aber, wie ideenreich und aktiv Sportvereine die gesellschaftlichen Herausforderungen in einer wachsenden Stadt wie Berlin anpacken. Mehr Informationen gibt es hier.

Natursport liegt im Trend. Das bestätigte auch Karsten Dufft vom DOSB. 15 Millionen Menschen treiben regelmäßig Sport im Freien. Deshalb müsse der öffentliche Raum für naturverträglichen Sport gesichert werden. Als Beispiel nannte er das Projekt „Sport-Bio-Diversität”, das der LSB gemeinsam mit dem Verein Rot-Weiss Viktoria Mitte 08 ins Leben gerufen hatte. Rund um den Sportplatz im Weddinger Brunnenviertel wurde gemeinsam mit den Anwohnern ein naturverträgliches Umfeld geschaffen: Flächen begrünt, ein Natur-Lehrpfad eingerichtet, Hochbeete angelegt, Vogelhäuser gebaut und vieles mehr. Ein anderes Beispiel sei der Green Marathon Zürich. Durch die Stadt führt entlang der schönsten Sehenswürdigkeiten eine grüne Linie in Marathon-Länge, die als Spaziergang oder per Rad, mit Walking-Sticks oder joggend zurückgelegt werden kann. Öffentlicher Raum als Sportfläche. Die Vision von Karsten Dufft: „Eine strategische Partnerschaft zwischen ,grüner Szene’ und Sportorganisationen.”

Wie neue Möglichkeiten für Sport und Bewegung in Renaturierungsmaßnahmen einbezogen werden und sich dabei die Bürger umfassend beteiligen können, berichtete Dr. Sylvia Metz vom „Flussbad-Projekt Berlin“. Es geht um die Reaktivierung des Spreekanals in der Mitte Berlins. Entlang der Museumsinsel soll der Fluss mit sauberem Wasser Berliner und Gäste zum Schwimmen einladen. Das Flusswasser soll natürlich gereinigt werden und der Spreekanal im Bereich der Fischerinsel in eine ökologische Wasserlandschaft verwandelt werden. Geplant ist, das Flussbad im Jahr 2025 zu eröffnen. Hier gibt es mehr Infos.

Nach den Vorträgen diskutierten die Tagungsteilnehmer im Rahmen eines World Cafés über ihre Erfahrungen, Erwartungen und Probleme. Sie teilten sich in drei Gruppen auf, die von Söhnke Vosgerau vom Fanprojekt der Sportjugend Berlin, Helmut Heitmann vom Kickprojekt der GSJ und Manuela Stein vom Verein Sportfreunde Kladow moderiert wurden.  

Die Gruppen standen jeweils um einen Stehtisch herum und schrieben die Ergebnisse ihrer Diskussion auf Papiertischdecken. Es ging um drei Themen: 1. Derzeitige Situation der Berliner Sportstätten. 2. Nutzungsmöglichkeiten von anderen Flächen für Sport und Bewegung. 3. Entwicklung von Sporträumen für den zukünftigen Bedarf.

Die Teilnehmer kamen schnell ins Gespräch und zeigten untereinander großes Interesse für ihre Ansichten und Probleme. Für jede der drei Runden waren 20 Minuten vorgesehen, die kaum ausreichten. Die Moderatorin der Veranstaltung, Evelyn  Bodenmeier, musste auf die Einhaltung des Zeitplans drängen. „Es war sehr interessant zu hören, was in anderen Vereinen los ist. Gut war auch, neue Leute kennenzulernen und untereinander ins Gespräch zu kommen”, sagte Gudrun Seeliger vom Hockey-Verband. Auch Angela Haupt vom Landesruderverband war zufrieden. Sie machte deutlich: „Auch Wassersportmöglichkeiten gehören zur Stadtentwicklung. Das soll so bleiben. Aber wenn man hier hört, womit sich andere herumschlagen, relativieren sich die eigenen Probleme ein bisschen.”

Danach gab es den Realitäts-Check. Die Moderatoren trugen die Ergebnisse der Gesprächsrunden vor. Es fielen Stichworte wie: Kooperation von Nutzern, Verwaltung vereinfachen, Vernetzung, Partizipation, Verantwortlichkeit für Instandhaltung, Konfliktmanagement, Kooperation zwischen Schule und Verein, Möglichkeiten für Trendsportarten, Haftungsfragen, Sport als Wirtschaftsfaktor und vieles mehr. Was ist realistisch? Wie geht es weiter?

Eine Vier-Stunden-Tagung löst noch nicht die Probleme. Aber beim Abschluss-Podiumsgespräch mit Thomas Härtel, Karsten Dufft, Gabriele Freytag von der Senatssportverwaltung, Tilmann Heuser vom BUND Berlin und Benita Wübbe von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, war man sich einig: Die Tagung hat gezeigt, dass der Vereinssport ein kompetenter Partner für die Stadtentwicklung ist. Deswegen darf und soll Sport auch immer mitgedacht werden – bei allen Planungen zum Zusammenleben in der wachsenden Stadt.

Als ein Ergebnis dieser Tagung wurde daher vereinbart, sich zu einzelnen Themen in kleineren Runden zu treffen und zu diskutieren. Der Termin wird auf der LSB-Homepage bekannt gegeben.

Einen Film zum Thema gibt es bei YouTube.

 

Fotos: Engler und LSB

  • 40 Vereins- und Verbandsvertreter diskutierten zum Thema "Bewegungsräume in einer wachsenden Stadt"
  • Staatssekretär Christian Gaebler
  • Gastgeber Thomas Härtel
  • Teilnehmer beim World Café