Auf dem Areal muss auch
der Sport seinen Platz finden
von Uwe Hammer
LSB-Präsidialmitglied für Sportstätten
Der Flughafen Tempelhof hat eine große Geschichte aufzuweisen. Vor genau 60 Jahren war er nicht nur rückblickend der Garant der Freiheit. Die „Berliner Luftbrücke“ wird gerade gefeiert. Bereits im April 1926 wurde der Betrieb aufgenommen. Der erste planmäßige Flug der Deutschen Luft Hansa A.G. ging nach Zürich. Viele Superlative gäbe es noch zu berichten, so z.B. war das bogenförmige Flughafengebäude in den dreißiger Jahren das flächengrößte Gebäude der Welt. Noch heute zählt es zu den zwanzig größten Gebäuden der Welt und zu den längsten Gebäuden Europas.
Bevor jedoch das Gelände 1922/1923 für den Flugbetrieb eingerichtet wurde, war das Tempelhofer Feld ein Exerzierplatz sowie ein Naherholungsziel mit Freizeitaktivitäten wie Hunderennen. 1834 gab es bereits auf der Ostseite eine Pferderennbahn. Bis 1867 gab es hier Rennen, bevor die Rennbahn nach Hoppegarten verlegt wurde. Auch „athletische Meetings“ wurden damals schon durchgeführt. Des Weiteren gab es auch schon ein Sportfeld mit vielen Sportanlagen. Auf diesen trainierte auch einer der ältesten deutschen Fußballvereine, der B.F.C. Germania 1888.
An diese Tradition wollen wir wieder anknüpfen. Mit der Schließung des Flughafen Tempelhofs im Oktober 2008 eröffnet sich die Möglichkeit, das Areal auch im Sinne des Sports zu entwickeln. Der organisierte Sport hat ein großes Interesse, an den anstehenden Planungsüberlegungen des Geländes mitzuwirken und seine Vorstellungen für eine zukünftige Nutzung mit einzubringen. Federführend ist die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die gleichzeitig unser Ansprechpartner ist. Diese hat im März 2008 schon ein so genanntes Folgenutzungskonzept „Tempelhofer Freiheit“ für das Gelände vorgestellt. High-Tech-Arbeitsplätze sollen demnach in das Hauptgebäude kommen. Ebenso gibt es Vorstellungen für neue „Wohnquartiere“. Die Mitte der großen Freifläche soll eine „Kühlschrankfunktion für das Stadtklima“ übernehmen. Diese „Parklandschaft“ soll für Sport, Spiel und Entspannung genutzt werden.
Konkret wurden auf der Internet-Plattform der Senatsverwaltung bisher Fußball, Base- und Softball sowie Beachsport benannt. Der LSB begrüßt die mehrheitliche Auffassung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Verkehr vom 21. April 2008, dass auch die benachbarten Bezirke Neukölln, Tempelhof-Schöneberg und Friedrichshain-Kreuzberg die Möglichkeit erhalten sollten, Infrastrukturdefizite, insbesondere im Sportbereich auf dem Tempelhofer Feld ausgleichen zu können.
Vorschläge von Seiten des Sports gibt es viele. Und es könnten noch mehr werden. Deshalb haben wir am 27. Mai 2008 die Sportamtsleiter der drei Bezirke, die jeweiligen Bezirkssportbünde, den Berliner Fußball-Verband und Vertreter der Turngemeinde in Berlin (TiB) zu einer Gesprächsrunde eingeladen. Die Vertreter der Bezirke und der Sportorganisationen hatten eine Vielzahl von Ideen und benannten einen großen Bedarf an Sportstätten. In erster Linie sind es Sportplätze für Fußball und Hockey. Aber auch der Bedarf an wettkampfgerechten Sporthallen ist groß. Insbesondere die Wiederinbetriebnahme der vorhandenen Baseball- und Softballfelder der amerikanischen Streitkräfte im Rahmen des Vereinssports könnte relativ kurzfristig realisiert werden.
Das Vorhaben wurde im Rahmen der Online-Diskussion zur „Tempelhofer Freiheit“ im Herbst 2007 im Bereich Sport und Freizeit als Siegervorschlag ausgewählt. Sowohl zwei Vereine als auch der Base- und Softballverband Berlin-Brandenburg haben ihr Interesse erklärt, hier aktiv zu werden.
Darüber hinaus wird in Berlin für Inline-Hockey dringend eine gedeckte Sporthalle mit entsprechendem Untergrund benötigt. Die so genannten Hangars könnten hier eine ideale Lösung darstellen. Generell ist es aus LSB-Sicht wichtig, Wege und Gelegenheiten für Inlineskating, Skateboard und BMX zu schaffen, um den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen der angrenzenden Bezirke gerecht zu werden. Auch die Einrichtung einer beleuchteten Laufstrecke oder eine Trainingsstrecke für den Radrennsport ist überlegenswert.
Apropos weitere Nutzungsmöglichkeiten der Hangars. So böte sich hier für den Kegelsport durch einen entsprechenden Umbau viel Raum, um eine zeitgerechte Anlage für das leistungsorientierte Sportkegeln einzurichten.
Da das Land Berlin beabsichtigt, die Deutschlandhalle mit seinem Eissportcenter 2009 aufzugeben und die geplante Eissporthalle an der Glockenturmstraße vielleicht erst zur Saison 2011/ 12 dem Eissport zur Verfügung steht, könnte ein Hangar für den Eissport als Zwischennutzung dienen. Dabei könnte eventuell das vorhandene technische Equipment zur Eisbereitung usw. aus der Deutschlandhalle genutzt werden.
Grundsätzlich bieten sich nach LSB-Einschätzung für die Errichtung von Sportstätten drei Bereiche des Tempelhofer Feldes an:
Der Bereich im Norden südlich des Columbiadamms, gegenüber vom Vereinsstandort der Turngemeinde in Berlin, der Bereich im Südosten an der Werner-Seelenbinder-Sportanlage und das Areal in Verlängerung der Paradestraße im Westen des Geländes.
Im Rahmen der Entwicklung der Nachnutzung für den Flughafen Tempelhof werden auch Grundstücksverhandlungen mit dem Bund anstehen. In diesem Zusammenhang ist zu prüfen, ob ein nahegelegenes Bundesgrundstück worauf sich die Sportanlage Züllichauer Straße befindet, in die Verhandlungen einbezogen werden kann. Vielleicht ist es möglich, zu besseren Konditionen zu kommen und die Sportfläche für den Bezirk dauerhaft zu sichern.
Nicht nur für angrenzende Vereine wie die TiB ergibt sich durch Schaffung von Sportflächen die Chance, für mehr Sportler Angebote zu schaffen. Als schwierig ist die Situation in Bezug auf die angedachte Wohnbebauung zu sehen. Hier ist die Sportverträglichkeit dieser Maßnahmen wie im ‘Leitbild Sport’ des Senats bereits verankert, von Anbeginn zu prüfen. Die Nachnutzung des Flughafengeländes erfordert es, in die Zukunft zu denken, aber auch seine Forderungen klar und überzeugend den politisch Handelnden darzulegen.
Wir haben Ende Juni die bisherigen Ideen und konzeptionellen Überlegen der zuständigen Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer, schriftlich übermittelt, versehen mit dem Wunsch, in das weitere Planungsgeschehen direkt eingebunden zu werden.
„Sport in Berlin", Juli/August-Ausgabe 2008

