Zukunft gestalten. Gemeinsam.

Eine Kampagne des Landessportbundes Berlin

 

Der aktuelle Entwurf des Berliner „Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramms“ skizziert die derzeitige gleichstellungspolitische Situation in der Hauptstadt wie folgt:

 

„Berlin nimmt bundespolitisch in der Gleichstellungspolitik in vielen Bereichen eine Vorreiterrolle ein. Der Bericht zur Situation von Frauen in Berlin, den der Senat 2006 vorgelegt hat, enthält dazu ausführliche Daten. Im nationalen Vergleich liegen z.B. die Berliner Hochschulen auf den vordersten Plätzen in Bezug auf den erreichten Anteil von Professorinnen. Nicht zuletzt dank der vergleichsweise guten Ausstattung Berlins mit Einrichtungen zur Kinderbetreuung sind in Berlin mehr Frauen auch in Vollzeit erwerbstätig, als im Bundesdurchschnitt. In der Anti-Gewalt-Arbeit wurde durch die Schließung von Interventionslücken und Intensivierung der Kooperation der zuständigen Institutionen eine deutliche Verbesserung der Situation der von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen erzielt.

Dennoch existieren auch in Berlin eine Reihe von Rahmenbedingungen, die ein gleichberechtigtes Leben von Frauen und Männern in dieser Stadt erheblich erschweren und auch die Bilder von Frauen und Männern in der Öffentlichkeit und in den Medien sind noch stark von Geschlechterstereotypen und Sexismen geprägt.“

 

Ausgangslage

Um die Facetten einer geschlechtergerechten Vereinsstruktur und –kultur in Berlin genauer zu beleuchten, hat das Referat Sportentwicklung eine Expertise an der Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Sportwissenschaft, Fachbereich Sportsoziologie in Auftrag gegeben.

 

 

  • Vereinssport und Gender,
  • Vereinssport und Gesundheit und
  • Gender und Gesundheit
  • im Allgemeinen sowie im LSB Berlin analysiert.

 

Insbesondere die Betrachtung des ersten Themenfelds, Vereinssport und Gender, zeigt die Herausforderungen, vor denen der Sport aktuell noch steht:

Gleichstellung im Sport bedeutete lange Zeit, bestehende Diskriminierungen zuungunsten von Mädchen und Frauen zu beseitigen und ihnen uneingeschränkten Zugang in sämtliche Bereiche des Sports zu ermöglichen. Nun muss das klassische Konzept des Gender Mainstreaming (GM) so umgestaltet werden, dass diese explizite Förderung von Mädchen und Frauen als fester Bestandteil der Gleichstellungspolitik integriert wird („Doppelstrategie“). Siehe hierzu auch den Beschluss des DSB-Präsidiums vom 17.10.2003.

 

Die in der Untersuchung gemachten Handlungsempfehlungen werden in der Sportentwicklung insbesondere im Hinblick auf die stärkere Implementierung der Strategien Gender Mainstreaming und Gender Budgeting (GM/GB, als Top-Down-Strategien der Landespolitik) zukünftig Berücksichtigung finden müssen.

Hierzu zählen insbesondere die folgenden, in Kurzform dargestellten Empfehlungen:

  • Grundsatzentscheidung bezüglich des Gender Mainstreaming Konzepts treffen,
  • GM im Leitbild verankern und Öffentlichkeitsarbeit vorantreiben,
  • Expertenberatung in Bezug auf den Um- bzw. Neukonstituierungsprozess des LA Frauen im Sport in Anspruch nehmen,
  • Gendersensible Daten (interne wie externe) erfassen und im Hinblick auf geplante Maßnahmen nutzbar machen,
  • Orientierung am gender-, gesundheits- und sportwissenschaftlichen Diskurs beibehalten,
  • Angebotsstruktur zielgruppenorientiert gestalten.

 

Auch die Auswertung des Frauen-Förderplans im Landessportbund Berlin hat es gezeigt: Der LSB muss sich noch stärker um die Zielgruppe Frauen bemühen und in diesen Bemühungen auch seine Mitgliedsorganisationen stärken. Dies ist eine wichtige Querschnittsaufgabe im Berliner Sport zur Sport- und Vereinsentwicklung, nicht nur aufgrund der zukünftigen demografischen Entwicklung, sondern auch zum Wohle des Berliner Sports. Frauen tun dem Sport gut!

 

Der Landesausschuss Frauen im Sport (LA F) hat daher in seiner Sitzung vom 07. Februar 2007, als die Ergebnisse der Fortschreibung des Frauenförderplans vorlagen, mit 6 Ja-Stimmen und einer Enthaltung beschlossen, dass zur Erreichung der Ziele des Frauenförderplans

  • mehr Frauen in die Führungspositionen des Sports,
  • mehr weibliche Mitglieder in die Mitgliedsorganisationen/Vereine des LSB Berlin

eine Frauen-Kampagne durchgeführt werden soll, die das Interesse an der weiblichen, Sport treibenden Zielgruppe erhöht und in den Vordergrund der Sportorganisationen rückt. In diesem Bereich sind erhebliche Wachstumssteigerungen möglich, da nur 35,9 % der Frauen im Sport organisiert sind.

 

Diese Kampagne soll eingebunden sein in die Gesamtstrategie des LA F, den Ausschuss umzuwandeln in einen Landesausschuss für Gleichstellung. Hierzu müssen als weitere Maßnahme die Strategien GM/GB in den strategischen Zielen des LSB verankert werden und zur Umsetzung kommen.

 

Kampagnen-Inhalte

Zielstellungen

  • Umsetzung der Ergebnisse und Maßnahmen des Frauenförderplans des LSB Berlin.
  • Aufmerksamkeit schaffen für die Potentiale von Frauen im Sport.
  • Sensibilisieren für die Bereitschaft von Frauen, Verantwortung zu übernehmen.
  • Darstellung der Vereinbarkeit von Frauen in beruflicher und familiärer Tätigkeit mit der Übernahme eines Ehrenamtes.
  • Gleichstellung von Mann und Frau im Berliner Sport fördern.
  • Kommunikation zu wichtigen frauenpolitischen Themen im Sport verstärken.
  • Das Verständnis für geschlechtsspezifische Interessenlagen/Bedürfnisse der Frauen und deren Umsetzung in den Vereinen fördern.

 

Maßnahmen

  • Strategie und Perspektive des Ausschusses langfristig ändern in Richtung von mehr Gleichstellung und unter Aspekten des Gender Mainstreaming.
  • Auftaktveranstaltung zur Einbindung der Verbandspräsidentinnen und Verbandspräsidenten von Anfang an und zur ersten Sensibilisierung für die Themen.
  • Aufmerksamkeit stärken, provozieren, aufwecken durch entsprechende Materialien.
  • Aufklärungs- und Informationsmaterialien für die Vereine und Verbände zur Ehrenamtsförderung.
  • Öffentlichkeitsarbeit intensivieren, Medium Internet verstärken.
  • Veranstaltungen in Vereinen und Verbänden begleiten, Frauen(sport)aktionstage unterstützen.
  • Einrichtung von neuen Frauen-Gremien und Frauen-Sportgruppen in den Vereinen begleiten und mit den Materialien versorgen.
  • Frauenvollversammlung.
  • Frauenstammtische.
  • Vernetzung intensivieren, Partner gewinnen, stärker auf Sponsoren zugehen.
  • Aufklärung über geschlechtspezifische Interessenlage/Bedürfnisse der Frauen bei Verbänden und Vereinen, damit diese in den Vereinen Berücksichtigung finden können.

 

Seien Sie neugierig - es geht weiter.

Ihre Marion Hornung


Frauen stärken die Finanzen

Marion Hornung, LSB-Präsidialmitglied für Frauen im Sport: „Nehmen wir eine lukrative Zielgruppe ins Visier.”

 

Laut Statistik leben in Berlin 3,3 Millionen Menschen: 1,7 Millionen  Frauen und 1,6 Millionen Männer. Das ist allen bekannt. Auch die Sportstatistik, wonach von den rund 550.000 im LSB Berlin organisierten Menschen 351.500 Männer und nur 199.500 Frauen sind, ist keine neue Erkenntnis. Aber, was machen wir mit solchen Zahlen?

Zum Beispiel eine über drei Jahre laufende Kampagne: „Zukunft gestalten. Gemeinsam.” Die Auftaktveranstaltung mit den Verbandspräsidentinnen und -präsidenten, Gästen aus dem Abgeordnetenhaus,  den Bezirken, mit Mitgliedern der Ausschüsse und LSB-Präsidiumsmitgliedern fand in der vergangenen Woche im Haus des Sports statt. Wohl zum ersten Mal wird mit dieser Kampagne sichtbar, dass rund 150.000 Mädchen und Frauen im Sport „fehlen“. Mit diesen „fehlenden“ Frauen wäre der organisierte Sport, gemessen an der Bevölkerungsstruktur, ausgeglichen. Nicht nur das! Diese 150.000 Mädchen und Frauen bringen Geld mit. Angenommen, jedes neue Mitglied dieser 150.000 zahlt fünf Euro Verbandsbeitrag, so ergibt sich eine Summe von 750.000. Bei einem Vereinsbeitrag von ebenfalls nur fünf Euro im Monat, könnten die Vereine im Jahr neun Millionen Euro mehr an Mitgliedsbeiträgen einnehmen. Lassen Sie das Geld nicht vorbeigehen!

Würde jeder Verein in Berlin nur fünf weibliche Mitlieder pro Jahr (!) gewinnen, wäre das Ziel, 150.000 Mädchen und Frauen zusätzlich, bereits in zehn Jahren erreicht. Zum Vergleich: Von 2003 bis heute gab es nur eine Steigerung von 11.400 weiblichen Mitgliedern. Der Zuwachs ist stetig aber zu langsam.

Abgesehen davon, ergibt sich bei einem Zuwachs von Mitgliedern auch ein Zuwachs an ehrenamtlichen Helferinnen, Übungsleiterinnen und auch Talenten. Von einem höheren Stimmrecht und damit mehr Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen, ganz zu schweigen.

Den Verbänden wurde auf dieser Auftaktveranstaltung bildlich dargestellt, worum es geht. Zuerst wurde allen Anwesenden ein Analysebogen übergeben, um im eigenen Verband einen Status quo festzustellen. Veränderungen können nur erfolgen, wenn relevante Fakten bekannt sind. Gemeinsam heißt hier: gemeinsam mit dem LSB. Wenn der Verband es wünscht, stehen wir ihm  zur Seite, um mit ihm die Analyse auszuwerten und über weitere Maßnahmen zu beraten. Als nächster Schritt sollte diese Veranstaltung - in geeigneter Form mit den Vereinen, z. B. anlässlich von Verbandstagen - stattfinden. Auch bei dieser Veranstaltung würde den Vereinen ein auf ihre Bedürfnisse zugeschnittener Analysebogen an die Hand gegeben werden. Hier bietet der LSB ebenfalls Hilfe an, um die Vereine gemeinsam „unter die Lupe zu nehmen“ und Ansatzpunkte für die Zielgruppe ‘weiblich’ zu finden und zu schaffen.

Es gibt kein Rezept passend für alle. Dazu sind die Sportarten zu unterschiedlich, die Vereine zu verschieden aufgebaut. Aber es gab auch noch nie so konkrete Hilfsangebote, um den Frauen auf die Spur zu kommen. Kommerzielle Fitnessanbieter machen es uns vor. Eine Vielzahl von Studios und Programmen nur für die Frau kommen ständig auf den Markt. Warum wohl?

Lassen Sie uns gemeinsam die Zukunft gestalten. Setzen Sie Trends und nehmen die lukrative ‘Zielgruppe weiblich’ ins Visier. Männer sind doch sonst auch kreativ, wenn es um diese Zielgruppe geht.







© Landessportbund Berlin, 2008
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