Innovationspreis in Kreuzberg vergeben

Als Anerkennung bzw. Anreiz für ein verstärktes Engagement der Sportvereine wurde erstmalig der Innovationspreis 2007 zur Förderung des Mädchen und Frauensports im Bezirk Friedrichshain- Kreuzberg ausgeschrieben.

Ziel soll es sein, mehr weibliche Mitglieder für Sportvereine zu werben, denn gerade mal knapp über 30% der Vereinsaktiven sind dort Mädchen- und Frauen. Der Preis soll die Ehrenamtlichen ermutigen, Angebote zu schaffen, die den Wünschen dieser Zielgruppe entgegenkommen und Wertschätzung für dieses Engagement ausdrücken.

 

Nicht leicht hatte es die Jury, die sich aus MitarbeiterInnen des Arbeitskreises zur Förderung des Frauen- und Mädchensports, der Stadträtin für Finanzen, Kultur, Bildung und Sport Frau Klebba, Bezirksverordneten, sowie der Frauenbeauftragten der Arbeitsgemeinschaft der Friedrichshainer- Kreuzberger Sportvereine zusammensetzte.

 

Sieben Bewerbungen und somit sieben interessante Angebote wie Vereine Mädchen- und Frauensport im Verein fördern.

So ist es für den Friedrichshainer Verein EASA Verein für Kampf und Bewegungskunst selbstverständlich, dass sich der Vorstand aus 4 Frauen von 5 Vorstandsmitgliedern zusammensetzt. Die Hälfte der ÜbungsleiterInnen sind Frauen  und dass Frauen sich insgesamt so wohl fühlen, dass sie fast die Hälfte der Vereinsmitglieder ausmachen ist „im Kampfsport durchaus nicht selbstverständlich“ betont Präsident Volker Vollrath.

 

Auch der Verein SC Welle Berlin e.V. findet dies selbstverständlich- zugegebenermaßen sind im Schwimmsport in der Regel viele Mädchen und Frauen anzutreffen. Keineswegs selbstverständlich fanden die Jurymitglieder die herausragende Arbeit bei der Gewinnung von Übungsleiterinnen- 4 junge Frauen haben bereits die Sportassistentinnenausbildung absolviert und sind teilweise schon zur Ausbildung für den Trainerschein angemeldet darunter auch die Integrationswartin Ayla Sinamci.

 

Ebenfalls aus dem Schwimmsport kommt der Verein TSB e.V. Ursprünglich mit dem Ziel, das von der Schließung bedrohte Baerwaldbad dem Schwimmsport in Friedrichshain- Kreuzberg zu erhalten, bietet der Verein schon seit 3 Jahren das muslimische Frauenschwimmen und nunmehr auch Schwimmen für Mädchen muslimischen Glaubens an. Durch den Einsatz von weiblichen Rettungsschwimmerinnen und Aufsicht in den Umkleiden ermöglicht der Verein, Mädchen und Frauen die Bekleidungsvorschriften des Korans einzuhalten und dennoch die Freude am Schwimmsport zu genießen.

 

SG NARVA Berlin e.V ist vielen bekannt für seine Handball Männermannschaften. In Zukunft wird man auch hier viel von den Frauen hören, denn die Vereinsaktiven Frauen krempeln den Verein um und wirbeln dabei ganz gehörig im Bezirksteil Friedrichshain. Nicht nur, dass die bereits zahlreich angemeldeten Mädchen auch viele außersportlichen Aktivitäten miteinander kreieren, auch sonst kommt keine an den vielfältigen Aktivitäten der Frauen vorbei z.B. Mini Gruppen in Kitas, Mädchengruppen in Schulen oder Kooperationen mit Jugendfreizeiteinrichtungen. Es werden viele Wege gegangen, um die Mädchen und Frauen im Verein zu binden und neue Mädchen für den Handballsport zu gewinnen. „Wir versuchen nicht nur die Mädchen vom Handballsport zu begeistern, sondern wollen sie zu aktiven Menschen erziehen, die vielleicht bald selber kleine Mädchen trainieren wollen“, so Heike Behrendt, selbst aktive Handballerin im Verein.

 

Der dritte Platz des Innovationspreises 2007 wurde an SC Berliner Amateure 1920 e.V. verliehen, welche mit ihrem Gesamtkonzept die Jury überzeugten: Der Verein wurde durch die Aufnahme von Mädchen neu strukturiert, um den Mädchen gerecht zu werden und die Mitgliedschaft der Mädchen dauerhaft zu sichern. Das Trainingskonzept wurde überdacht, TrainerInnen gezielt für die belange von Mädchen sensibilisiert und rare Platzzeiten freigeschaufelt. Neue Ideen entstanden um den Spielbetrieb für die Mädchen zu sichern und gleichzeitig die Bedürfnisse von Mädchen akzeptieren, die nicht am Spielbetrieb teilnehmen möchten.

 

Besondere Beachtung fand das Konzept der Zweitplatzierten Türkiyemspor Berlin e.V. Auch hier wurden nicht einfach nur mit unglaublichem Engagement Mädchenteams aufgebaut: von Anfang an wurde das Ziel „Aufbau einer Mädchen und Frauenabteilung von unten nach oben“ angegangen. Konzeptionelle Vorüberlegungen und zielgerichtetes Vorgehen legten den Grundstein für eine rasante Entwicklung. Nunmehr wird für D, C, B Mädchen Fußball auf hohem Niveau angeboten.

 

Sicherlich nicht immer ein leichtes Unterfangen in einem Verein der als Oberligaverein auch andere Prioritäten verfolgt. Das TrainerInnenteam nahm wirklich jede Zeit und Mühe auf sich um Kooperationen mit Schulen, Vereinen und Jugendfreizeiteinrichtungen zu schließen, holte sich Unterstützung im Quartiersmanagement Wrangelkiez und war auch auf anderen Ebenen sehr präsent um ihr Anliegen innerhalb und außerhalb des Vereins vor- und weiterzubringen. Vor allem auf ÜbungsleiterInnen mit sowohl sportlichem Potential aber auch guten pädagogische Fähigkeiten wird Wert gelegt und Überlegungen angestellt, wie diese dauerhaft zu binden sind, um Kontinuität in der Betreuung zu gewährleisten. Nicht zuletzt ist die Stärkung von Mädchen in einem schwierigen sozialen Umfeld ein Ziel. Bei den Türkiyemspor Mädchenteams wird der Begriff „multikulturell“ mit Leben gefüllt. Mögliche Sponsoren werden weiterhin gesucht. Sie könnten ein wirklich charismatisches Team unterstützen.

 

Den ersten Platz des Innovationspreises 2007 erhielten die BOXGIRLS des Vereins Seitenwechsel F/L Berlin SV. e.V.: In einer noch relativ untypischen Sportart für Mädchen machen sich die Boxgirls um das Trainerinnenteam Heather Cameron und Sarah Bitterling für Mädchen stark. Dass sie dabei wirklich jeden gangbaren Weg einschlagen machte sie zum klaren Favoriten der Jury. Der Aufbau eines Frauen- und Mädchenboxcamps, Ausbildung von Übungsleiterinnen und Schiedsrichterinnen, soziales Engagement, weit reichende Öffentlichkeitsarbeit und unzählige Workshops und Vorführungen für Jugendeinrichtungen, Schulen, und bezirkliche Einrichtungen wenden sich bewusst an Mädchen außerhalb des Vereins. Sogar ein Schwesternprojekt in Namibia Buru Buru wurde ins Leben gerufen. Diese Weitreichenden Erfahrungen machten die Akteurinnen auch zu gefragten Expertinnen, die ihr Wissen gerne auf verschiedenen Veranstaltungen in die Diskussion einbrachten. Die BOXGIRLS bieten also nicht nur Amateurboxtraining „wir verstehen den Begriff Mädchen stärken viel weit reichender“ so Cameron, die auch Konfliktlösungs- und Stressresitenzkompetenz auf dem Lehrplan stehen hat.

 

Die Jury um Bezirksstadträtin, Frau Klebba, blickt mit Stolz auf das Erreichte und das Engagement im Bezirk.

Die Spannung auf die Bewerbungen im nächsten Jahr steigt schon.

 


Impressionen zum Wettbewerb

Mannschaft Türkiyemspor






Sportlerehrung




© Landessportbund Berlin, 2008
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