Altes Olympisches Dorf


Altes Olympisches Dorf in Döberitz-Elstal                                                       






 

Information erhalten Sie unter:  www.olympisches-dorf.de




 

Seit einem Jahr kann das alte Olympische Dorf bei Döberitz-Elstal täglich von 10 bis 16 Uhr besichtigt werden. Die DKB-Stiftung hat das 550.000 m² große Gelände erworben und in der früheren Sporthalle ein Besucherzentrum eingerichtet.

 

Das nach den Olympischen Spielen von der Wehrmacht und dann bis 1992 von der Roten Armee genutzte und seit 1993 unter Denkmalschutz stehende Ensemble soll einer neuen Bestimmung als Internationales Sport- und Begegnungszentrum zugeführt werden. Allerdings gibt es dafür neben kreativen Ideen noch keine Investoren, nachdem sich Pläne für eine Rehaklinik oder ein Touristikzentrum bereits in den Vorjahren zerschlagen haben.

 

Dem Besucher der einst vorbildlichen Sportanlage zeigen sich heute zuerst die Schönheiten der märkischen Landschaft, wenig erinnert an die mehr als 150 Wohn- und Trainingsstätten der männlichen Olympiateilnehmer von Berlin 1936. Ein Großteil der früheren 135 einstöckigen Wohngebäude mit Zweibettzimmern, Gemeinschaftsräumen und Sanitäreinrichtungen sind abgerissen oder versperrt, ein Haus mit dem restaurierten „Jesse-Owens-Zimmer" kann besichtigt werden.

 

Die hochmoderne Schwimmhalle darf nach in den neunziger Jahren erfolgten Brandstiftung nicht mehr betreten werden, die früheren Empfangsgebäude nahe der B 5 sind bereits kurz nach Kriegsende ausgebrannt und abgerissen worden. Das Begegnungszentrum des Dorfes - das Hindenburghaus - ist erhalten geblieben und wartet mit seinen Festsälen und Verwaltungsräumen auf Renovierung und neue Bestimmung. Hier begegnen sich martialische Wandfresken aus der Nazizeit mit Kriegsszenen sowjetischer Soldaten, auch Lenin lässt grüßen. Erhalten geblieben und winterfest gemacht zeigt sich das große Oval des .Hauses der Nationen' mit seinen früheren 35 Speisesälen. Es wurde nach den Spielen als Lazarett, Krankenhaus und Armeesportclub genutzt und steht überwiegend leer.

 

Im Innenhof wird dieses Jahr von der Gemeinde Eistal und Sponsoren „Nabucco" inszeniert. Überhaupt geben sich die Gemeinde und die Stiftung der Deutschen Kredit-Bank große Mühe, Veranstaltungen ins Olympische Dorf zu ziehen, so neben dem jährlichen Jesse-Owens-Lauf (in diesem Jahr am 16. Juni) und dem Tag des Offenen Denkmals auch mit dem parallel zum Istaf veranstalteten DKB-Cup auf dem wiederhergestellten Sportplatz. Neben dem wunderschönen Gelände und dem morbiden Charme der alten Olympiabauten werden die Besucher mit den für die russischen Soldaten errichteten Plattenbauten konfrontiert. Sie stören das einst weltweit gelobte Bauensemble - abreißen oder nach Vandalismus wieder in Betrieb nehmen, ist hier die offene Frage. Antworten darauf haben auch die Fremdenführer des Elstaler Fördervereins nicht parat, die ansonsten mit viel Engagement und netten Anekdoten das Gelände und seine Vergangenheit vorstellen. Sie verbreiten auch Zukunfts-Optimismus: Ob der frühere See mit Saunahaus und die Aussichts-Bastion wiedererrichtet werden, ist nicht vorhersagbar.

 

Ein Besuch des Olympischen Dorfes und der angrenzenden unter Naturschutz stehenden Döberitzer Heide empfiehlt sich für alle Berliner Sportvereine bei Wandertagen und im Rahmen von Sportbegegnungen. Über die alte, inzwischen autobahnähnlich ausgebaute B 5 ist Elstal mit dem Abzweiger „Olympisches Dorf" von Berlin-Spandau aus leicht zu erreichen. Erste Wohnparks künden neben nach wie vor leerstehenden Kasernenbauten und Panzerhallen von neuer, sinnvoller Nutzung. Diese Hoffnung besteht nunmehr auch für das Olympische Dorf. Der Sport ist der DKB-Stiftung zu Dank verpflichtet.

 

Artikel "Geschichte vor den Toren Berlins" und  Foto entnommen der Juli/August 2007-Ausgabe in "Sport in Berlin" von Manfred Nippe


© Landessportbund Berlin, 2008